Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 8 (15.11.1913)
- Article
- Vom neuen Jische͏̈w
- Date
- 1913-11-15
- Page
- Seite 475 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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474 Vom jüdischen Leben und Schaffen beiter, die für ihre Güter das Leben wagen, — sollen sie nicht arabischen Hinterhalten ausliefern!* Pinkus Barber. Warnende Stimmen Man weiß, daß es Immer noch genug Zionisten gibt, die sich mit Unwillen von den Verstiegenheiten der hebraistischen Sprachfanatiker abwenden. Hierzu gehört in den heutigen Zeitläuften ein gewisser Mut, der anerkennend festgestellt zu werden verdient. Da ist z. B. Herr Kaplans kt Man kann ihm fürwahr trotz seiner poalezionistischen Führerschaft gewiß nicht Mangel an zionistischer Gesinnung vorwerfen. Wenn irgend jemand, so ist er, einer der zionistisch Verbissensten, der Hauptschuldige daran, daß sich der Poalezionismus aus der ziouozentrischen Verblendung nicht herausentwickeln kann. Nicht umsonst ist er Liebkind bei den bürgerlichen Zionisten und nicht umsonst wurde neulich in einem köstlichen Berichte der „Jüdischen Rundschau" erzählt, daß er in eine zionistische Versammlung in Elberfeld „den Erdgeruch mitgebracht" habe. (Er wohnt nämlich kurze Zeit in Palästina) Und doch schreibt auch dieser Mann in einem jiddischen Artikel über die Ergebnisse des Kongresses u. a. folgendes nieder: „Wir kamen zum Kongreß mit der schweren Frage: Wie schafft man den jüdischen Feldarbeiter, den j üdischen Bauer? Die Antwort des Kongressg war: Hedad die Jerusalemer Universität!* Und weiter: ,Die Diplom- Begeisterung war auf dem 11. Zionisten- Kongreß stärker als der Erdgeruch, die „Wohnrecht*-Psychologie in einer neuen Tonart und von achad-haamistischen Stimmungen unterstützt, überwog den gesunden Instinkt des Bauens." Andere Zionisten wenden sich speziell wider die maßlose Hetze der hebraistischen Fanatiker gegen Jiddisch. Hören wir, was der bekannte Mitarbeiter Bialiks und ausgezeichnete hebräische Schriftsteller Rawnitzki sagt: »Die Gegnerschaft wider die ,Golussprache( läßt sich noch einigermaßen ei jenen begreifen, die das Golus überhaupt negieren. Du bist nicht im Entferntesten mit ihnen einverstanden, ja alles in dir empört sich gegen diese Meinung, aber du wirst doch zugeben müssen, daß da etwas von dem vorhanden ist, was man »ein ganzes System* nennt. Die »Histadrus1 negiert doch aber das Golus nicht Ihre Hauptarbeit geschieht ja doch nur im Golus. Sie darf darum auf keinen Fall die Anschauungen jener extremen Fanatiker, akzeptieren, die einen heiligen Kampf gegen . . . jene Sprache führen, die im Munde der großen Mehrheit des jüdischen Volkes im Golus lebt* Viel schärfer spricht sich das zionistische „Jiddische Tageblatt* in New-York aus, wo ein Artikel von G. Selikowitz mit folgenden Sätzen beginnt: „Denkt ihr noch, wie in jedem russischen Amte ein Zettel aushing, auf dem zu lesen war: ,Goworitj po polskie wospretshajetsia* (,Hier ist es verboten, polnisch zu sprechen*)? Nun, und habt ihr euch einmal träumen lassen, daß Juden selbst ein solches idiotisches Anathema nicht gegen Polnisch, sondern gegen die von Millionen Juden gesprochene jüdische Sprache proklamieren werden? Und wißt ihr, was für Juden das tun? Patriotische, bei einer jüdischen patriotischen Versammlung! . . .* Natürlich werden sich die Mode^ „Hebräer* durch diese Stimmen von ihrem Treiben nicht abbringen lassen. nb. Entwicklungen Daß selbst an Hebraisten Entwicklungen, sogar zum Besseren, möglich sind, sieht man an Herrn Rubin Brainin. Im Jahre 1907 hatte er (in jiddischer Sprache) geschrieben: * Hebräisch spreche ich, weil ich will, Jüdisch, weil ich muß. Jüdisch ist meine Muttersprache, Hebräisch die Sprache meiner Kinder, Hebräisch liebe ich und Jüdisch hasse ich nicht* Dann wird .Jüdisch' und „Jargon* mit Dingen wie „Dunst des Golus*, mGalgenhumor*, „Ghettoluft*, „Pfeffergeschmack*, „Rasselnunsrer Sklavenketten*, „Markt-