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Die Freistatt · 1913-11-15 · Heft 8 (15.11.1913) · p. Seite 439

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 8 (15.11.1913)
Article
Nach dem elften Zionistenkongress
Date
1913-11-15
Page
Seite 439 (sequence 2)
Language
German
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438 Dr. Nathan Birnbaum, Nach dem XL Zionistenkongreß ■T---1 -1 I- ■ I .1 1 -■ II-----—-------"-------- ich, daß sie die Universitätsfrage nur deshalb aufgeworfen haben^ um ihre Leute zu betäuben und einzulullen. Das hieße, von ihrem kritischen Blick zu gut und von dem Zustande ihrer Sittlichkeit zu schlecht denken. Nein, man braucht nicht erst nach Tricks und Kunststücken der Führer zu suchen, um sich den Antrag bezüglich der hebräischen Universität in Jerusalem und die ungeheure Wirkung zu erklären, die er auf den Kongreß und über ihn hinaus auch auf Unbeteiligte ausübte. Man muß sich vielmehr nur ein wenig in die zionistische Psychologie und die Geschichte der Entwicklung der zionistischen Bewegung einleben und wird sich dann bald überzeugen, daß der elfte Kongreß kein anderes Gesicht annehmen konnte, als er wirklich annahm, daß er mit einem Kommando der „Histhadruth" eingeleitet sein und mit dem Aufbau der hebräischen Universität in Jerusalem — zu* vörderst natürlich nur in Worten — schließen mußte* Von zionistischen Agitatoren kann man manchmal hören, daß der Zionismus so alt wie das Golus sei. Und in der Tat, kaum waren die Juden aus ihrem Lande heraus, begann schon ihre Sehnsucht nach ihm. Aber diese Sehnsucht wurde von Jahrhundert zu Jahrhundert stiller, verträumter, poetischer, religiöser. Immer mehr und mehr gewöhnte sich das jüdische Volk, Palästina als etwas Irrationales zu betrachten, das man nur mehr durch einen irrationellen Akt irgend einmal wird erreichen können. Immer mehr und mehr stellte das jüdische Volk Palästina der Gnade und dem Willen Gottes anheim und knüpfte nicht nur sein Leben und Leiden, sondern auch seine Freuden und realen Hoffnungen an seine Heimaten im Golus. Immer mehr und mehr entwickelte es eine reiche Goluskultur mit gewaltigen materiellen und moralischen Kräften, mit gewaltigen Seelenschätzen. Ohne sein einstiges Land zu vergessen, bejahte es immer mehr und mehr das Golus. Immer mehr und mehr begriff es, daß es seine Kraft aus sich selber, aus seiner Stärke und innerlichsten Jüdischkeit ziehen, daß es überall, wohin es komme, bauen müsse. Und immer mehr hat es auch gebaut und gebaut. Und bis auf den heutigen Tag hat es am Golus nicht verzweifelt, hat es seine realen Hoffnungen nicht auf Palästina gesetzt Nun kam aber eine Zeit, wo sich gewisser jüdischer Menschen eine fremde Anfechtung bemächtigte, ihnen den Juden verekelte> den Nichtjuden heiligte. Und ich zweifle nicht im geringsten, daß selbst jene wenigen Rabbinen, die sich unter den ersten Verkündern des Zionsgedankens befanden, von einem Gefühle der Gelangweiltheit gegenüber dem jüdischen Leben und von be-

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