Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 8 (15.11.1913)
- Article
- Wien
- Date
- 1913-11-15
- Page
- Seite 438 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Nathan Birnbaum, Nach dem XL Zionistenkongreß 437 Hebräisch nicht herzlich lieben? Ist das doch die Sprache Christ* licher Theologen. Und schließlich — ist der Hebräische Schulverein nicht exotischer als der für die Deutschen im Ausland? Man kann von einem aus- und in den anderen eintreten. Man kann Zionist werden, Wien hat es bewiesen. Nach dem elften Zionistenkongress*) Von Dr. Nathan Birnbaum Ein Delegierter sagte auf dem Kongreß, daß eine besondere hebräische „Histhadruth" nicht nötig sei, vielmehr sollte die zionistische Organisation auch die hebräische Arbeit übernehmen. Der Kongreß selbst aber ging über diesen Standpunkt noch hinaus und bewies, daß eigentlich die „Histhadruth" genüge, und eine zionistische Organisation überflüssig sei. Jedes Wort, jede Gebärde, die auf ihm zutage trat, gehorchte der Losung, die die Konferenz der „Histhadruth" ausgegeben hatte. In jedem Augenblicke, wo immer man gerade hielt, kehrte man die hebräische Sprache hervor, immer und immer wieder blitzte der hebräische Gedanke auf. Es war deutlich zu sehen, wie alle anderen Angelegenheiten gegenüber dem hebräischen Riesen einschrumpften. Insbesondere zum Schluß, als er sich in seiner ganzen Länge aufrichtete, d h. die Resolution bezüglich der hebräischen Universität angenommen wurde. Manche Leute glauben, daß die hebräische Universität einer von den guten Einfällen sei, die der liebe Gott bei jedem Kongresse den zionistischen Führern schenke, auf daß sie damit in letzter Minute ihre blassen Leistungen rosig färben. Ich kann diese Meinung nicht teilen. Wohl sehe auch ich — und ich habe dazu nicht die oppositionellen Reden nötig, ich brauche nur einen Blick in die offiziellen Referate, selbst in das des Herrn Dr. Ruppin zu tun —, daß es mit der ganzen Sache nicht gut und der ganze Kongreß- und Parteitamtam im umgekehrten Verhältnis zu den wirklichen Errungenschaften in Palästina steht Aber ich glaube nicht, daß die Führer selbst die Winzigkeit ihrer Erfolge einsehen, und noch weniger glaube „) Dieser Artikel ist auch im letzten Heft der Wilnaer jiddischen Monatsschrift „Di jideshe weit* veröffentlicht. Er ist zuerst in jüdischer Sprache geschrieben. Die obenstehende Uebersetzung für die „Freistatt* ist von mir selbst besorgt. Dr. N. B.