Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 6-7 (8.10.1913)
- Article
- Sprachkuriosa vom Kongresse
- Date
- 1913-10-08
- Page
- Seite 411 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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410 Vom jüdischen Leben und Schaffen. Natürlich, ich weiß, lange hält das nicht vor. Dann gehen sie wieder hin und berauschen sich mit Herrn Dr. Bendersky an dem Gedanken — die Araber zu hebraisieren . . . . M. A. Menachem Mendel auf dem Kongresse. Der berühmte jiddische Humorist Schülern Alejchem (S. Rabinowitsch) veröffentlicht seit Jahren eine fortlaufende Serie von Briefen, die zwischen Menachem Mendel und seinem Weibe Schejne Schejndel gewechselt werden. Wir entnehmen den \tiz\tn drei Briefen (Briefe Menachem Mendels vom IL Zionistenkongreß) folgende Sätze in möglichst wortgetreuer deutscher Uebersetzung: „Jeder „Dätsch" (deutscher Jude, Westjude) ist ein geborener Präsident.'1 „Sind sie denn keine Juden? Oder keine Zionisten, daß sie den ganzen Zionismus in einem Löffei Hebräisch (im Original: lüshn kojdesh) ersäufen wollen?" „Doch am schönsten wäre es, wenn Gott ein Wunder täte — er braucht nur zu wollen — und dem Ussischkin ein jiddisches Wort entschlüpfte ... Du glaubst etwa, daß er nicht Jiddisch kann? O, er kann sehr gut, er will nur nicht Hat sich kapriziert! , . , Dann könnten alle Juden wieder frank und frei Jiddisch sprechen, und man wär' das Unglück los. (Im Original: A sof, ous güles!)" x. Der echte und der falsche Schildkraut. Rudolf Schildkraut ist aus Amerika nach Berlin zurückgekehrt und läßt sich von einem Journalisten des ,Berüner Tageblatt' interviewen. Wir erfahren, daß er drüben Sehnsucht nicht nur nach Deutschland, sondern auch nach dem Deutschen Theater und seiner Inszenierungskunst gehabt habe. Auch daß er bis jetzt noch keine feste Verpflichtung eingegangen sei, daß aber Hoffnung bestehe, ihn in der kommenden Saison auf einem Berliner Theater zu sehen. Dessen freuen wir uns natürlich, lesen interessiert weiter und stoßen plötzlich auf folgende Erklärung; „Ich möchte dabei auch den weitverbreiteten Irrtum richtigstellen, als hätte ich jemals in jiddischer Sprache gespielt. Der Irrtum ist darauf zurückzuführen, daß ich im „Jiddisch-Theater" mit einer gemischten Truppe in deutscher Sprache spielte" . . . . „Ja, wer ist denn dann aber", — so fragen wir mit dem New-Yorker Jiddischen Tageblatt', — „der Schildkraut, den wir in „Salmen Troubadour" und in „Eikele Masik" und just in reinem Mame-luschen (wörtl. Muttersprache, intime Bezeichnung des Jiddischen) spielen gesehen und gehört haben? Das muß wohl ein falscher, nicht der echte Schildkraut gewesen sein. Gehört sich das, Herr Tomaschewski, Frau Adler, Herr Mmz (Namen New-Yorker Theaterdirektoren), daß Sie das jiddische Theaterpublikum so häßlich hinters Licht führen? Wenn Sie uns das nächste Mal wieder irgend einen Litwak (Lithauer) oder Oalizier als Schildkraut vorstellen werden, werden wir schon wissen, daß wir Ihnen nicht zu