Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 6-7 (8.10.1913)
- Article
- Eine hebräische Enzyklopädie [Rezension]
- Date
- 1913-10-08
- Page
- Seite 402 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Vom jüdischen Leben und Schaffen 401 Sokolow (Berlin) and der Dichter Saul Tschernichowsky (Petersburg). Auch namhafte nichtjüdische Gelehrte werden sich an der Enzyklopädie beteiligen, darunter Prof. Bröckelmann (Halle), Prof. Budde (Marburg), Prof. König (Bonn), Prof Sachau (Berlin) usw. Der Redaktion wird ein wissenschaftlicher Beirat zur Seite stehen. Ihm gehören u. a. an: Prof. Berliner (Berlin), Abraham Epstein (Wien), Oberrabbiner Dr. Güdemann (Wien), Prof. Goldzieher (Budapest), Dr, Harkavy (Petersburg), Prof. Dr. Simonsen (Kopenhagen). Der erste Band der hebräischen Enzyklopädie soll schon im Frühjahre 1914 erscheinen. Neben der Petersburger Redaktion ist für Westeuropa ein Sekretariat in Berlin eröffnet worden. (Adresse: Berlin W, Rosenheimerstraße 5. II. Dr. M, Sackheim.) Vom jüdischen Leben und Schaffen. Aus der Berliner jüdischen Gemeindebibliothek* Es ist selbstverständlich, daß in eine jüdische Bibliothek insbesondere Bücher gehören, die in irgend einer Sprache von Juden, jüdischen Dingen oder Judentum in direkter oder indirekter Weise handeln. Doch haben im allgemeinen Werke in einer jüdischen Sprache den Vorzug, und ebenso sind in einer jüdischen Sprache auch solche Bücher aufzunehmen, die sich mit anderem als mit diesen drei Gegenständen befassen. Die Bibliothek der jüdischen Gemeinde zu Berlin wird im großen und ganzen nach diesen Grundsätzen geleitet, wie es ja naturgemäß auch nicht anders sein kann. Daher ist in ihr die moderne ostjiidische Literatur vertreten. Diese Tatsache ist auch für den, der ihr etwaiges Gegenteil in sehr negativer Weise hervorheben würde, bemerkenswert, wenn er sich nämlich vor Augen hält, wie es heute um die deutschen Juden steht. Dann kann ihm sogar die Idee kommen, daß sich die Leiter der erwähnten Bibliothek deshalb vielleicht sehr vorurteilsfrei dünken. Wer aber eine jüdische Bibliothek von höherem Gesichtspunkt betrachtet, der kann mit der Berliner in dieser Hinsicht noch lange nicht zufrieden sein. Hier einige Gründe für diese Behauptung. Vor allem ist die jiddische Literatur, quantitativ genommen, in ihr nur schwach vertreten, die modernhebräische kaum etwas besser. Es darf hier nicht eingewendet werden, daß diese Literatur für eine Bibliothek deutscher Juden minder wichtig sei. Dieser Einwendung läge nämlich der Standpunkt von der Wichtigkeit einer engeren Verbindung des kulturellen Lebens irgend einer Gruppe mit einer ihrer Bibliotheken zugrunde. Geht man nun von ihm aus, dann hätten deutschjüdische Bibliotheken überhaupt nicht gar viel Sinn, und auch andere jüdische Bücher wären nicht viel wichtiger als jiddische, da ja das jüdischkulturelle Leben unter den deutschen Juden, milde ausgedrückt, nicht allzustark ist. Daß aber ein Bedürfnis nach einer Verbindung der oben gekennzeichneten Art hi6i eben überhaupt sehr schwach ist, sieht man recht klar an der