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Die Freistatt · 1913-10-08 · Heft 6-7 (8.10.1913) · p. Seite 377

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 6-7 (8.10.1913)
Article
Zum Problem des jüdischen Dichters in Deutschland
Date
1913-10-08
Page
Seite 377 (sequence 2)
Language
German
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376 A. Zweig, Zum Problem des jüdischen Dichters usw. Erfaßbaren verbirgt; und nachdem uns drittens bewußt ist, was gerufen wird, wenn der Philosoph vom „Geiste" eines Volkes spricht, vom „deutschen Geist", vom „jüdischen Geist", und ferner, wie sich dieser Geist, wenn er sich im Dichter ausspricht, zu der Sprache verhält, in der er sich verlautbart, zur eigenen oder zur fremden (der Fall des jüdischen Geistes, wenn er deutsch dichtet). Daß diese Erkenntnisse, die dem Prinzip nach zeitlose Gültigkeit haben, noch eine Weile auf sich warten lassen werden, ist nicht verwunderlich, denn die Phänomenologie ist die jüngste aller philosophischen Bestrebungen; daß diese Weile nicht sehr lang sein wird, folgert sich aus der Wichtigkeit der Probleme und den großartigen Leistungen der von Husserl vor nicht mehr als zehn Jahren geschaffenen Wissenschaft. Damit ist angedeutet, was mich von Bab scheidet wie von Strauß; weder ist mir Kunst (Judentum, Nationalität und dergleichen) eine Kategorie des Denkens, noch etwas Benanntes, vom subjektiven Willen bestimmt, sondern ein sehr weiter, aber in gewisser Weise eigentümlich charakterisierter Bezirk des Erkennbaren, der erkannt ist, sobald ein ähnlich begabter Denker seinen schauenden Geist darauf richtet, wie die ethischen Tatsachen vom Geiste Schelers oder die logischen von dem Husserls gesehen worden sind; oder die jüdischen von Bubers Geist. Es bleibt mir also nur übrig, einige Gefühle und Meinungen beizutragen, die der sicherlich anregende und auf so noblem Niveau geführte Streit der beiden Schriftsteller in mir erweckt. Und so sage ich zuerst mein Erstaunen, daß ein Streit dieser Art überhaupt geführt werden konnte . , . Woher kommt denn das Argument, den Juden das Schöpferische abzusprechen? Von denen, die Judentum am wenigsten kennen, von Antisemiten, von den Chamberlain (Wagner), Bartels, Weininger — von Leuten insgesamt, denen man weder geistige Sauberkeit noch Willen zur Wahrheit zubilligen wird* Der Parteimensch fälscht immer, noch ehe er schreibt. Ob man uns nun partiell Schöpfung zubilligt oder nicht, nimmt nichts von der Tatsache fort, daß man diesen Maßstab überhaupt anlegt Und wer sieht nun nicht, daß die Quelle gerade solchen Messens der Haß ist, dem daran liegt, das Gehaßte in seinem innersten Kern als negativ wertig, hassenswert zu erweisen? In der Rangordnung der Völker steht ihnen jenes am niedrigsten, das keinerlei Wert aus sich gebiert, das nur vermittelt, sich aneignet, umformt, weitergibt Dies billigt man den Juden zu; mögen sie immerhin in allen Wissenschaften Großes leisten, so bauen doch alle Wissenschaftler nur fort an dem, was andere begonnen haben. Aber das, was aus dem Geiste des Volkes

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