Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 6-7 (8.10.1913)
- Article
- Der Untergang jüdischer Gemeinden
- Date
- 1913-10-08
- Page
- Seite 371 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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370 Mathias Acher, Noch einmal Ost- und Westjudentum. und doch werden sie unbarmherzig aus ihren ökonomischen Positionen vertrieben. Von einer neuen Zuwanderung kann gar keine Rede sein. Zweitens erkennt man, daß jetzt, in der Zeit der Herrschaft weltlicher Kultur, nur nationale Gruppen von größerer Masse Bestand haben können. Alle übrigen Teile sind zum nationalen Untergang verurteilt Abstrakte Ideen, wie Judentum, Mission oder sogar der abstrakte jüdische Staat wird sie davor nicht bewahren können* Mögen darüber alle die jüdischen Politiker ein wenig nachsinnen, die jetzt noch von der Zerstreuung des jüdischen Volkes träumen. (Aus dem jiddischen Manuskript übersetzt) Noch einmal Ost- und Westjudentum. Von Mathias Acher. (Fortsetzung.) Die Ostjudenheit ist nicht das einzige Lebensreich der gesamten Judenheit, vielmehr zählt diese noch andere autonome Kulturprovinzen: Die verschiedenen Gruppen morgenländischer Juden (einschließlich der Spaniolen, zusammen etwa 1000 000), für die ebenso wie für die Ostjuden das jüdische Religionsgesetz Basis eines eigenartigen jüdischen Lebensüberbaues ist, und die auch ihre sprachbildende Kraft mehr oder weniger bewiesen haben. In diesen Gruppen kommt aber mehr das Beharrungsals das Bewegungselement im Judentum zum Ausdruck. Wenigstens seit den vielen Jahrhunderten, in denen sie keine Proben schöpferischer Initiative und des Dranges nach kultureller Expansion ablegten. In Hinsicht auf religiöse Bewegung haben sie bis auf einen Fall stillgestanden, und der eine Fall, die Sabbetai- Zwi-Affäre, verrät, wenn auch Leben, so doch keinen Vorrat an umgestaltenden Kräften. Sprachlich wieder haben sie es oft nur zu leichter Dialektisierung des gegebenen fremden Sprachmaterials gebracht, und selbst das Idiom ihrer größten und wichtigsten Gruppe, das der Spaniolen (ungefähr 300000), hat sich niemals auch nur in irgendwie diskutablem Abstände zu der sprachlichen und literarischen Selbständigkeit, zu den Kulturleistungen und Kulturwirkungen von Jiddisch aufgeschwungen* Vergeblich sucht man einen spaniolischen Mendale, Perez, Schulem-Alej-