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Die Freistatt · 1913-10-08 · Heft 6-7 (8.10.1913) · p. Seite 370

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 6-7 (8.10.1913)
Article
Der Untergang jüdischer Gemeinden
Date
1913-10-08
Page
Seite 370 (sequence 8)
Language
German
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Benzion Rubstein, Der Untergang usw. 369 machen, den Kindern nationale Erziehung zu geben, so daß sie dem jüdischen Volke vollständig fremd aufwachsen. Nehmen wir dazu noch die schreckliche Lage der böhmischen Juden in Betracht, zwischen Deutschen und Tschechen, die einen erbitterten nationalen Kampf führen und ihren Grimm auf die Köpfe der Schwächeren entladen, auf die Köpfe der Juden. Die Juden leiden um ihres Judentums willen, von dem sie zumeist nicht die geringste Ahnung haben, und dem sie bloß formell angehören. Es ist also begreiflich, daß es viele böhmische Juden für unnötig halten, „dem unbekannten Gotte Opfer zu bringen", und die letzten Fäden zerreißen, die sie noch mit dem jüdischen Volk verbinden, dem sie durch ihre ganze Erziehung innerlich entfremdet sind. Und die, denen dies aus irgendwelchen Gründen unbequem ist, oder die nicht den Mut haben, selbst aus dem Judentum auszutreten, bemühen sich wenigstens, ihre Kinder durch die Taufe vom „Judenfluche" zu entlasten. Die Kindertaufe ist in Böhmen keine seltene Erscheinung, und das ist eigentlich eine der Ursachen für die obenerwähnte Verminderung der jüdischen Geburten (die Geburten werden nämlich nach der Religion des Neugeborenen verzeichnet). Die Judenheit Böhmens und Mährens geht unter. Auswanderung, Sinken der Geburtenziffer und Assimilation — das sind die drei Faktoren, die den unvermeidlichen Untergang herbeiführen. Es wird jetzt wohl keinen einzigen Optimisten geben, der den Rückgang der jüdischen Bevölkerung in den beiden Ländern als vorübergehende Erscheinung betrachtet. Wenn auch die jüdische Bevölkerung der größeren Städte nicht abgenommen, in einigen sogar zugenommen hat, so hat das seinen Grund in einer Böhmen und Mähreh mit allen Ländern gemeinsamen Erscheinung, in der Flucht der Juden vom Dorf in die große Stadt. Hier ist die Quelle für das Wachstum der Zahl der Juden in den böhmischen und mährischen Städten zu finden. Diese Quelle muß aber sehr bald versiegen, und dann wird auch in den Städten die absolute Abnahme der Juden einsetzen. Dieser Teil unseres Volkes ist zum nationalen Tod verurteilt. Es gibt keine künstlichen Mittel, die ihn noch retten können. Eins aber können und müssen wir tun: Die logischen Konsequenzen aus dieser traurigen Erscheinung ziehen. Vor allem beweist sie uns, wie falsch die noch bei vielen unserer Politiker herrschende Meinung isf, daß der Wohlstand der Juden in umgekehrtem Verhältnis zu ihrem Prozentsatz stehe, d. h. je kleiner der Prozentsatz der Juden sei, um so höher sei ihr ökonomischer Wohlstand, und um so leichter sei ihnen der Kampf ums Dasein. In Böhmen und Mähren ist der Prozentsatz der Juden gering,

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