Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 6-7 (8.10.1913)
- Article
- Die jüdische Farmerbewegung in Nordamerika
- Date
- 1913-10-08
- Page
- Seite 362 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. K. Farnberg, Die jüdische Farmerbewegung usw. 361 liehe Arbeits 2300 Acres Land machten sie anbaufähig und benutzten davon gleich 1500 für Weizen-, Hafer- und Alfasaat; außerdem legten sie 22 Häuser und einen 7 Kilometer langen Weg an. Doch die Rechnung stimmte nicht. Das zusammengelegte Kapital von 180000 Mark genügte nicht, um auch nur den kleineren Teil der Mitglieder anzusiedeln. Es stellte sich heraus, daß nur dann, wenn jede Familie 6000 Mark eingezahlt hätte, der ganze Plan ausführbar war. So wäre der ganze Versuch mißlungen und hätte die vielen Tragödien jüdischer Kolonisation um eine gewaltige bereichert, wenn nicht die Philanthropie dieser Gruppensiedlung zu Hilfe gekommen wäre. Heute ist die Kolonie in Utah auf gutem Wege, und es scheint, als ob jetzt der Plan im ganzen gelingen werde. Denn das Menschenmaterial ist dort ein vortreffliches. Anders ging die Gründung der Ida-Strauß-Kolonie vor sich. Anfang 1913 traten 35 Familien zusammen, die mehr oder weniger Vermögen hatten. Sie arbeiteten still, ohne die Ambition, das ganze Volk zu retten, und es scheint, daß ihre Unternehmung tüchtig vorwärtskommt. Die weitere Entwicklung: Die schwerste Frage für die Farmergruppen ist die, wo Land kaufen und sich ansiedeln? Das Landangebot ist ein ganz gewaltiges, und ganz abgesehen von der privaten Spekulation und vielen Schwindelunternehmungen reißen sich heute die Handelskammern und andere städtische Körperschaften um die, welche Land kaufen wollen. Es gibt sogar heute in einzelnen Staaten bestimmte Regierungsbureaus, die den Interessenten Auskünfte usw. geben. Auch sind von der Washingtoner Regierung einige informierende Broschüren herausgegeben worden, aus denen hervorgeht, welch ungeheure Flächen freien Landes in den einzelnen Staaten ihre Bebauer erwarten. Doch kommen, nach den Untersuchungen der Jüdischen Agrikulturgesellschaft, für den jüdischen Farmer nur ganz bestimmte Territorien in Betracht, für Gruppenkolonisation nur die wenig bevölkerten Süd- und Weststaaten. In den anderen ist es unmöglich, zu mäßigen Preisen das für Gruppen von 50—75 Familien erforderliche Land zu kaufen. Der einzelne Farmer aber, der nicht in der nichtjüdischen Bevölkerung untergehen will, hat noch immer in den Ost- und den näheren Weststaaten die besten Aussichten. Ueberhaupt lassen sich aus den bisherigen Erfahrungen schon jetzt bestimmte Leitsätze für die künftige Ansiedlung jüdischer Gruppenkolonien entnehmen; 1. Die Gruppe soll, um sich als geschlossenes, nationales Gemeinwesen betätigen zu können, nicht weniger als 50