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Die Freistatt · 1913-10-08 · Heft 6-7 (8.10.1913) · p. Seite 361

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 6-7 (8.10.1913)
Article
Die jüdische Farmerbewegung in Nordamerika
Date
1913-10-08
Page
Seite 361 (sequence 6)
Language
German
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360 Dr. K. Farnberg, Die jüdische Farmerbewegung usw. Die Abneigung aber, sich als einzelner in nichtjüdischer Umgebung anzusiedeln, dazu noch mit wenig Geld und ohne Kenntnisse, und die Schwierigkeit, bei den gesteigerten Bodenpreisen sich in der Nähe jüdischer Siedlungen Land zu kaufen oder gar teuere Farmen, haben in den letzten Jahren eine neue Kolonisationsbewegung in der jüdischen Masse hervorgerufen, die Bewegung für Gruppensiedlungen. Heute schon gibt es kaum eine Stadt mit stärkerer Judenbevölkerung, in der sich nicht einzelne Gruppen zum Landkauf und zur Gründung einer gemeinsamen Kolonie organisiert haben und zu diesem Zweck ihre Kapitalien zusammenlegen. Diese Bewegung für Gruppenkolonisation ist von der älteren, philanthropischen grundverschieden; aber der Unterschied bedeutet einen gewaltigen Fortschritt, Einmal ist hier von vornherein die Tätigkeit der Philanthropie vollkommen ausgeschlossen, und das Prinzip der Selbsthilfe ist hier in seiner reinsten Form ausgebildet. Außerdem ist es keine künstlich hervorgerufene Kolonisation, sondern eine, die aus den Massen selbst herausfließt. Das sind nicht bunt zusammengewürfelte Gruppen, hier kennt jeder den anderen; es sind Menschen, die demselben Milieu entstammen, und die von gleichen Motiven getrieben werden. Auch kommt es hier zu einer gewissen Auslese: die schwächeren, unzuverlässigen Elemente verlassen in der Regel, noch bevor die nötigen Kapitalien aufgebracht sind, die Gruppe. Die jüngsten Versuche und die Gründung in Utah: Von den vielen Gruppen, die sich in den letzten Jahren zur Gründung von größeren Kolonien zusammenschlössen, haben erst wenige ihre Pläne auszuführen versucht: 1911 entstand in Utah die Kolonie Klarion, 1912 in Texas die Ida-Strauß-Kolonie, und 1913 haben zwei weitere Gruppen in Georgia und Los Angelos ihr Land besetzt. Von diesen allen verdient die Utahkolonie das meiste Interesse. Man wollte hier das unausführbare Experiment lösen, 150 Familien mit wenigem Geld — 1200 Mark pro Haushaltung — anzusiedeln. Es sollte das Land für die ganze Gruppe sogleich angekauft, aber zuerst nur von wenigen Familien besetzt werden, die neben ihrem Boden den für den ersten Nachschub zu bebauen hatten. So sollte die ganze Gruppe allmählich schubweise nachrücken. Von der Regierung erwarb man 6000 Acres, den Acre zu 190 Mark, die Gesamtsumme in 10—13 Jahren zahlbar. Noch im August 1911 schickte man dann die ersten 12 Pioniere hinaus, versah sie mit Pferden, Maschinen und allem notwendigen Gerät und ließ bis zum März 1912 10 Familien nachfolgen. Im ersten Jahre leisteten die eine sehr beträcht-

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