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Die Freistatt · 1913-10-08 · Heft 6-7 (8.10.1913) · p. Seite 356

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 6-7 (8.10.1913)
Article
Sozialistischer Jude und jüdischer Sozialismus
Date
1913-10-08
Page
Seite 356 (sequence 11)
Language
German
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Dr. K. Farnberg, Die jüdische Farmerbewegung usw. 355 dische Arbeiter war es, der das Judentum um seine national* politischen Rechte nicht mehr feilschen, sondern für sie kämpfen lehrte und dem „Stadion", dem bisherigen Typus eines jüdischen „Politikers", den Todesschlag versetzte, — Der jüdische Arbeiter ist der einzig konsequente, weil vorbehaltlos interessierte Träger und Verfechter einer modernen weltlichen jüdischen Kultur und der volkstümlich jiddischen Literatur insbesondere. Der jüdische Arbeiter ist es, der dem Judentum in seinen heimsuchenden Wanderungen vorangeht und ihm neue Wege ebnet. Seinen sozialen Klassenzielen zusteuernd wird er auch seinem Volke zu neuer Blüte und historischem Schaffen verhelfen. So wird auch die Antinomie des praktisch tätigen, aber seelisch und geistig zerklüfteten sozialistischen Juden und des theoretisch fruchtbaren und emotionell gesunden, aber praktisch noch unbeholfen tastenden jüdischen Sozialismus aus der Welt geschaffen werden. Zum Heil des Judentums, zum Heil des Sozialismus. Die jüdische Farmerbewegung in Nordamerika. Von Dr. K. Farnberg. Der amerikanische Publizist Dr. K- Farnberg hat vor kurzem in der Halbmonatsschrift ,Der jiddescher emigrant' (herausgegeben vom Zentralbureau der Ica in Petersburg, Nr. 11—13, 1913) über die jüdische Bauernschaft Nordamerikas sehr interessante Angaben gemacht, von denen wir hier einen Auszug geben. Sie berichten von einer Volksbewegung, die im Verlauf von acht Jahren, ohne Nationalfonds, Kulturfonds usw., fast geräuschlos 25 000 ostjüdischer Menschen aus eigener Kraft zu Bauern werden ließ. Vergleicht man diesen Zahlen das Wenige und im nationalen Sinn (Judäa!) größtenteils Wertlose, was in einem viermal größeren Zeitraum trotz beispiellosen Kapital- und Energieaufwendungen in Palästina entstanden ist, dann werden sich wohl auch unter Zionisten einige Denkende bereit finden, verschiedene Fragen, die in der Freistatt' aufgeworfen wurden: die nach dem rein kolonisatorischen Wert der Palästinaarbeit und die Frage nach ihrem Wert für die Lösung jüdischer Volksprobleme, ernsthaft zu durchdenken. Vielleicht gibt es unter ihnen auch Menschen mit einer echten, nicht nur programmäßigen Volksliebe, die eine Empfindung1 haben für jene Ungeheuerlichkeit, daß die zionistische Pu-

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