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Die Freistatt · 1913-10-08 · Heft 6-7 (8.10.1913) · p. Seite 355

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 6-7 (8.10.1913)
Article
Sozialistischer Jude und jüdischer Sozialismus
Date
1913-10-08
Page
Seite 355 (sequence 10)
Language
German
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354 Maxim Anin, Sozialistischer Jude usw. über, die mit sozialer Notwendigkeit ein systematisches, organisatorisches Eingreifen erheischt, wie es in Amerika bereits der Fall ist Einem tatkräftigen jüdischen Sozialismus eröffnet sich hier ein weites Feld. — — Die wiederauflebende jüdisch-nationale Bewegung wird einen wohlvorbereiteten Boden für den organisatorisch geeinten jüdischen Sozialismus finden. Die Konsolidation und gegenseitige Befruchtung der zielverwandten Strömungen im jüdischen Sozialismus wird seine Anziehungs- und Tatkraft bedeutend steigern* Organisatorisch müßte der jüdische Sozialismus seinen Ausdruck finden in einer allweltlichen Partei mit staatlicher Untergliederung. Die sozialistischen Juden verschiedenster „Nationalitäten" könnten dann gewiß nicht verhindern, — wie es heute der Fall ist —, daß dem jüdischen Sozialismus ein ihm gebührender autonomer Platz in der Internationale, in der Gestalt einer jüdischen Sektion, zuerkannt werde. Aus der Anerkennung der jüdischen Nation als sozialen Organismus mit mannigfaltigen, eigenartigen Bedürfnissen resultiert naturgemäß ein System jüdisch-sozialistischer Politik in allen Sphären jüdischen Lebens und Strebens. Als Feind oder als Freund muß der jüdische Sozialismus überall mittun, wo im Judentum etwas zerstört oder geschaffen wird. Dieses System auch nur zu skizzieren, entfällt dem Rahmen dieses Artikels. Nur auf die leitenden Grundlinien sei hier hingewiesen. Als regulatives Prinzip des jüdischen Sozialismus nach außen, in seiner politischen Betätigung in den Ländern der Diaspora, muß zweifellos die nationale Autonomie des Judentums ausgestellt werden. Als Richtschnur der politischen und insbesondere der kulturellen Betätigung nach innen — die Säkularisation des gesamten jüdischen Lebens, die Emanzipation von der im Golus wurzelnden und ihn bejahenden Duarchie des orthodoxen Rabbinismus und der assimilatorischen Notabeln-KurateL Dem im Judentum wuchernden philanthropischen System gegenüber muß der jüdische Sozialismus dem Prinzipe der Selbsthilfe zum Siege verhelfen. Wirtschaftlich und sozial ist ja all diesen Mächten — den Orthodoxen, Notabein, Philanthropen — zu einem bedeutenden Teil der Boden im jüdischen Leben genommen. Denn — der jüdische Arbeiter war es, der das Judentum aus der Sackgasse der jahrhundertlangen Stagnation in allen Lebenssphären hinausgeführt und die unerfreulichen Gestalten des jüdischen Vermittlers und Luftmenschen als typische Repräsentanten des Gesamtjudentums in den Hintergrund geschoben hat. Der jü-

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