Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (22.8.1913)
- Article
- Else Croner: Die moderne Jüdin. Verlag Axel Junker [Rezension]
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 333 (sequence 2)
- Language
- German
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332 Bücherbesprechungen, ist mit Voll-Kultur; also eine jüdische — man verzeihe den Widerspruch — Hellenin mit apollinischem Charakter. Ich glaube, es wird solch geben: nicht Hetäre, auch nicht Ehesklavin. Es sind Jüdinnen, die nicht wissen, ob ihre Kultur westlich oder östlich, orientalisch oder okzidentalisch determiniert ist, die sich nur selbst wissen, mit einem Fluch den Weißen (Indo-Germanen) auf den Lippen nicht sterben, sondern leben. Die höchste Moralität aus ihrem Blute gleich geladener Elektrizität aufgespeichert haben, daher ohne Moral scheinen: ganz Kinder des Geblütes. Die im Geiste aufgestiegen sind, mit einem Lächeln der Tradition winken, um nie wieder zu fallen: Eva nach der Vertreibung. Es sind die Jüdinnen, die uns das Leben wert machen wie jene den Tod . , . Wie ich sagte: Alle „Ausnahmen" sollten über Else Croner lächeln. F. A. M. Jiddisches Wörterbuch. Vor einem Jahre vereinigten sich Dr. C. D. Spivak, Alexander Harkavv und der Dichter Jehojesch (Bloomgarden) zur Anlage eines vollständigen jiddischen Wörterbuches (in jiddischer Sprache). Aus einer Veröffentlichung ersieht man, daß von dem Wörterschatz von 100 000 Wörtern, auf den man rechnet, in Bälde die Hälfte gesammelt sein wird. Die Grundlage für diese Sammlung bilden die bisher erschienenen jiddischen Wörterbücher, die über 35 000 Wörter enthalten. Unter den aufgeführten vermisse ich übrigens das Wörterbuch von Lifschiz. Die neue Sammlung soll alle Worte, von den ältesten jiddischen Literaturdokumenten bis zu den neuesten, durch die Emigration eingedrungenen, enthalten, mit Belegen, Zitaten, Sprichwörtern usw. — Auch von der Fertigstellung eines neuen jiddisch-russischen Wörterbuches durch einen Lodzer Lehrer wird berichtet. B. Ch. N, Bijalik Poezfe (Lider yn poemen). Farlag „Progres". Warshe 673. Im Mittelpunkt des Bandes stehen die zwei großen Poeme: „In shchtteshtüt", sein von ihm selbst frei umgedichtetes hebräisches „Betr haharejge" (In der Stadt des Schlachtens) und „Dös lecte wort" (Das letzte Wort), die nach dem großen Pogrom des Jahres 1905 vereinigt unter dem Titel „Fyn car yn cor'n'* (Von Leid und Zorn) erschienen. Wir werden in die Hölle des Mordens geschleudert. Fürchterlich eindringlich überflutet uns Bialiks Kunst mit all den Bildern des Grauens und der Zerstörung, der Schändung und des Todesschreckens, der Leichen ohne Zahl. All die Seelenqual und all der Haß, Empörung gegen Gott und tiefste Verachtung der Menschen quillt in immer neuen Strömen aus der Verzweiflung seines Herzens und ergießt sich als elementare Schöpfung, als „Die Stadt des Schlachtens" und „Das letzte Wort". Und von den Ungewittern der Empörung und der Verzweiflung, welche den Dichter durchtobten, werden auch wir unwiderruflich fortgerissen. Unbefolgbar ist der Ruf, mit dem das erste Gedächt beginnt, und er befolgt ihn selber nicht: „Aus Stahl und Eisen, kalt und hart und stumm,