Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (22.8.1913)
- Article
- Else Croner: Die moderne Jüdin. Verlag Axel Junker [Rezension]
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 332 (sequence 1)
- Language
- German
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Bücherbesprechungen. 831 Bücherbesprechungen. Else Croner: Die moderne Jüdin. Verlag Axel Junker. Ein geschicktes Buch; was mehr sagt: ein ehrliches Buch mit der Grundfarbe des Blutes (vgl, S, 6). Aber wie konziliant ist dieses Buch! Ein Assimilationsprodukt, nicht für die „Ausnahmen" — und wer bildet nicht Ausnahme vom Typus! — geschrieben. Die Ausnahmen sollten über Else Croner lächeln. Jede Normale findet hier ihr Spiegelbild; von jeder ein Zug, und keine ist wirklich getroffen. Die Verfasserin will eben den Typus zeichnen, nicht einen (S. 1)* Ich aber war bei dem Titel „Die . . . Jüdin" auf einen Ideal-Typus gespannt, nach dem sich alle mehr oder weniger richten. Statt dessen: ein Erziehungsbuch für normale Jüdinnen, Feld-, Wald- und Wiesen-Jüdinnen — analog einem Kochbuch für die gut bürgerliche Küche! „Ebenso reich wie an Gefühlsanlagen ist sie an Geisteskräften (S, 19). Trotz dieser so reichen seelischen und geistigen Begabung sehen wir heute eine gewisse Oberflächlichkeit und Verflachung in der Anschauungsweise der modernen Jüdin (S. 20) . . . Eine Jüdin bedeutet einen ganz bestimmten weiblichen Typ-, eine besondere Note im Orchester der Weltschöpfung usw. (S. 26) . , . Alle die Jahrhunderte deutschen Gastrechts haben den Typ „Jüdin" doch nur in Einzelheiten zu ändern vermocht (S. 46) . . . Die Jüdin ist etwas Klassisches (S. 47) . . . Die Blumen des Orients entwickeln sich schneller, üppiger, gewaltsamer als die des Abendlandes (S. 48) . . . In ihr ist der Schick der Pariserin mit der Leidenschaftlichkeit der Spanierin, die Treue der Deutschen (!) mit dem Reiz der Orientalin verbunden (S. 53) . . . Der Begriff „Dame" ist etwas Westeuropäisches und entsprach ihrem Naturell nicht (S. 53) . . . Der alttestamentarische Begriff, daß sie Eigentum ist, wohnt noch in ihrer Seele (S. 59) , . . Die Jüdin ist . . . das weiblichste Weib (S. 73) ... Die Jüdin verschmilzt, wenn man sie in andere U m gebung verpflanzt — bis zu einem gewissen Grade (S. 87)," „Diejenige Jüdin, richtiger die Vollblut-Orientalin mit der asiatischjüdischen Kulturbasis, dte nun imstande ist, zu ihrer altangestammten Kultur die christlich-deutsche Kultur restlos (!) hinzu zu erwerben, steht in ihrer Eigenschaft als Trägerin einer zwiefachtn Kultur über allen anderen Frauen der Erde" (S, 148). Das alles ist seltsam richtig, aber gleicht einem Seidenfaden — so fein zerreißbar ist die „Normale" gesponnen — über bodenlosem Abgrund — so tief ist das Wesen „der" Jüdin. Beide decken sich nicht im geringsten. Die Verfasserin ist sehr unschuldig: sie sucht oder vermutet den jüdisch-weiblichen Quälgeist im barbarischen (!) Rußland (S. 77). Und doch ist dieser Typ vor allem einer Schilderung wert: Salome, der ewige, jüdische Grenztypus. Das Noch- und Ueber^Tier; das Kaum- Weib und Auch-Mann; — aber nicht Mannweib; Eva vor der Vertreibung; die fesselt und entfesselt; Gott-Bestie; englische Teuflin! Einen noch wichtigeren Typus, einen idealen, der wird, hat die Verfaserin übersehen: das im Wesenskern urjüdische Weib, dessen Natur eins