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Die Freistatt · 1913-08-22 · Heft 5 (22.8.1913) · p. Seite 313

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (22.8.1913)
Article
Organisierung der jüdischen Kulturarbeit im Westen
Date
1913-08-22
Page
Seite 313 (sequence 2)
Language
German
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312 Silberroth, Organisierung der jüdischen Kulturarbeit usw. dem geringsten Anlaß versammelt sich in Lausanne — man darf sagen ausnahmslos — die gesamte jüdische Kolonie. So in der Schweiz. Und in Paris und London und Amsterdam? Und in Wien? Rumänische und russische Auswanderer, die, wenn sie in die Nähe von Oderberg kommen, es für die wichtigste Mizweh halten, die Schläfenlocken hinter die Ohren zu kämmen, um die Spuren des heimatlichen Ghettos zu verwischen, bevor sie das neue beziehen und im Strudel der Wiener Varietekultur aufgehen sollen — sie jubeln auf in der Toynbeehalle, wenn man ihnen Humoresken von Schülern Aleichem vorliest, wenn sie Goldfadens Weisen hören. Diese winzigen Grüppchen, die es immer zu dem Punkte des geringsten Widerstandes treibt, sind zu vereinsamt und zu sehr verstreut, als daß sie Großes hervorbringen könnten, wenn sie sich in dem neuen Milieu, das auf sie mit der bestechenden Zauberkraft der hochentwickelten fremden Kulturart wirkt, eine kleine Zufluchtsstätte eigener, jüdischer Geistigkeit schaffen wollten. Ihre Arbeit ist planlos und unsystematisch. Die Zersplitterung bedingt eine ungeheure Energievergeudung und einen unökonomischen Kräfteverbrauch. Die aufgewendeten materiellen Mittel sind verschwindend klein im Vergleiche zur Größe der Aufgabe, wenn auch sehr groß im Vergleiche zum „Besitze" der Spender, die — muß man es sagen? — die Aermsten der Armen sind. Und doch könnte bei einer Zentralisierung der jüdischen Kulturarbeit im Westen ganz Hervorragendes geleistet, mit relativ kleineren Geldmitteln als bis heute absolut Größeres getan werden. Nehmen wir ein Beispiel. Ein kleiner jüdischer Literaturverein möchte gerne nach Gent J. L. Perez bringen. Ein vergeblicher Wunsch, dessen Erfüllbarkeit an den immensen Kosten scheitert, die eine Reise Warschau—Gent erfordert. Ein größerer Vereir in Paris muß aus denselben Gründen auf eine Perez- Veranstaltung verzichten wie der Genter. Ebenso ein Genfer Verein, ein Züricher, ein Berner, ein Prager und selbst eine größere Wiener Vereinigung, Und nun denke man sich, es existierte ein Verband aller dieser kleinen und größeren Vereine, der ließe Perez eine Tournee machen über Oesterreich und die Schweiz nach Frankreich und England und zurück über Holland und Deutschland nach Rußland. Welcher geringe Bruchteil der Gesamtkosten der ganzen Rundreise fiele dann auf den einzelnen Verein, der die kleinen Ausgaben aus den Einnahmen der Veranstaltung decken und noch etwas für Bibliothek, Kurse und Zeitungen absparen könnte! Mangel an Organisation ist die Schwäche aller im Westen bestehenden o st jüdischen Kulturvereine. Durch Vereinigung

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