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Die Freistatt · 1913-08-22 · Heft 5 (22.8.1913) · p. Seite 312

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (22.8.1913)
Article
Die jüdische Kolonisation in Palästina
Date
1913-08-22
Page
Seite 312 (sequence 17)
Language
German
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Silberroth, Organisierung der jüdischen Kulturarbeit usw, 311 Boden abzugeben. Viele Araber, die in Amerika zu Gelde kamen, kehren heute zurück, und legen sich gut eingerichtete Wirtschaften an. Im nördlichen Galiläa trifft man nicht wenige von ihnen. Unter einer Regierung, die sich um den Wohlstand der heimischen Bevölkerung kümmert, wird dies wirtschaftliche Erstarken der Araber schneller vor sich gehen, und damit müssen natürlich die Aussichten der jüdischen Siedlung sinken. So ist es eine kaum lösbare Frage, wann sich denn die großen Hemmnisse der jüdischen Siedlung verringern werden: in einem autonomen Palästina, oder unter der derzeitigen türkischen Wirtschaft?! Organisierung der jüdischen Kulturarbeit im Westen. Von Moses Nachman Silberroth, Leysin-Schweiz, Die Massen der in die Großstädte Westeuropas verschlagenen Ostjuden — ihre Zahl ist größer als man gemeinhin annimmt — befinden sich in einer kläglichen kulturellen Situation, Karten und Alkohol sind jüdische Symbole geworden! Ist das nicht ärger als der ökonomische Boykott in Russisch- Polen?! Freilich, man muß nur ein jüdisches Volkslied anstimmen, und schon ist der Pokertisch verwaist, die Absinthflasche verlassen- Und das ist unser einziger Trost, daß die Seele des landverwiesenen Ostjuden noch nicht ganz verderbt ist, daß sie sich nicht wohl fühlt im fremden Kleide und im fremden Milieu, daß sie sich heimsehnt in ihr eigen Haus, und dieses jüdische Haus überall aufstellt, wo der Boden nicht gar zu steinig und sandig ist. Wer hat die vielen jüdischen literarischen und kleinen Theatervereine im Westen gegründet? Keine Partei und keine Sekte. Spontan springen sie aus dem Boden, wo nur ein jüdisches Minjan beisammen ist. Niemand bekümmert sich um sie. Keine Körperschaft gibt ihnen eine Subvention. Da machen sie aus morschen Brettern Kulissen, aus zerrissenen Leintüchern und gelöcherten Schals Dekorationen und spielen in — Antwerpen jüdisches Theater! Strömen zu Hunderten zu den Veranstaltungen des „Züricher Bildungsvereins", alle vierzehn Tage füllt die ganze ostjüdische Kolonie die herrlichen Räume des Volkshauses, um auf ein jüdisches Wort, ein jüdisches Lied zu lauschen. Eine kleine Dilettantengruppe kann in Genf vor 500 Zuhörern spielen; bei

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