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Die Freistatt · 1913-08-22 · Heft 5 (22.8.1913) · p. Seite 285

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (22.8.1913)
Article
Zionistische Notwendigkeiten
Date
1913-08-22
Page
Seite 285 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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284 F. A. Meyer, Zionistische Notwendigkeiten. „Volks-Ganzen" bestimmt. Der Zionismus hat sich vielmehr zu einer reinen Volksbeglückungsidee entwickelt, zu deren Realisierung das Volk beisteuern soll. Trotzdem und vielleicht deshalb ist ihm der alljüdische Gedanke zu einer Allüre verblaßt, indem er sämtliche jüdischen Fragen auf das Maß des Palästina-Judentums zuschneidet. Eine alljüdische Volkspolitik ist ihm etwas noch so Fremdes, daß er glaubt, mit ihrem Zipfel, der einheitlichen Palästinapolitik, sie ganz zu fassen. An diesem Punkt hat die Revision des Zionismus einzusetzen, die sich vor allem als Revision der Theorie und Propaganda darzustellen hat Die Praxis, die hierzu zwingt, geht unwillkürlich voraus und zieht schließlich den konkreten Nutzen der Revision, Was hat der Komplex alljüdischer Aufgaben, wie Hilfstätigkeit, Auswanderfürsorge, Golus-Organisierung, Goius-Erziehung, Kulturkampf und Sprachenfrage direkt mit der Palästina-Kolonisation zu tun! Gewiß, alles Leben eines lebendigen Volkes steht in innigem Zusammenhang. Man kann es daher dem Zionisten gewiß nicht verdenken, wenn er überall, wo es vonnöten ist, seine Palästinapolitik berücksichtigt haben will; aber es gibt außer dieser noch hunderte wichtiger, eigenartiger Interessen des jüdischen Volkes. Sollen diese vernachlässigt werden? Noch sind nicht einmal die Ansätze zu einer allgemeinen jüdischen Volkspolitik, einer J5alljüdischen" Politik in des Wortes bestem Sinne, vorhanden. Daß der Zionismus das zugibt, wird verlangt; weiter nichts. Die Schwierigkeiten dieser in ihrer Größe weit unterschätzten Aufgaben sind unübersehbar; vor allem weil der Gedanke vom Volk, wie dies schon im 1. Heft der „Freistatt" ausgeführt wurde, noch nicht ins Blut übergegangen, erst hier und da angewöhnt ist. Wie viel aber wäre gewonnen, wenn wir erst einmal in puncto Palästinapolitik das ganze Volk hinter uns hätten! Tn der Theorie heißt es: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina". Da ist doch erste Voraussetzung, daß das Volk eine solche Heimstätte will. Ich glaube nicht daran, daß das ganze Volk sie heute will. Wir kommen zum wunden Punkte der zionistischen Theorie: Der Hauptsatz des Baseler Programms ist leider nicht „Programm" geblieben, sondern Theorie, Dogma geworden. Das ganze Baseler Programm ist dementsprechend zu revidieren. Wenn nämlich „das jüdische Volk" als Subjekt der zionistischen Tätigkeit, der Zionismus also als Repräsentant des jüdischen Volkes aufgefaßt wird, so geht das noch leidlich, obwohl hier lediglich der Wunsch Vater des Gedankens ist. Anders, wenn das jü-

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