Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (22.8.1913)
- Article
- Oppositionen
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 267 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3119801-3119802-3119807-3120542--0481-3120614- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
266 Davis Trietsch, Oppositionen. Ziehung finanzieller Bequemlichkeiten, die man selbst reichlich genossen hatte, Schwierigkeiten zu machen. Auf diese Weise rettete man sich die Chance eines Mißerfolgs der „Praktischen" und die weitere Chance der eigenen Rückkehr zur „Macht", Aber wie von den nicht ganz sicheren Kantonisten immer wenigstens einige nach der Regierungsseite umfallen, so auch hier, und heute unterliegt es kaum mehr einem Zweifel, daß der bevorstehende Kongreß Leitung und Finanzen einer Gruppe übergeben wird, und zwar einer Leitung von der Struktur der jetzigen. Dann ist der Sieg der Opposition von einstmals vollkommen, und eine neue Opposition, die halbwegs auch nur den Namen einer solchen verdiente, existiert nicht. Es scheint also Friede zu herrschen, und viele meinen, die Zeit der Konflikte sei vorbei, der Kongreß habe nur noch den Wert einer Demonstration, und außer dem kurzen Kampf um die Finanzen drohe der Bewegung die Langweiligkeit allzu großer Uebereinstimmung. Vielleicht kommt es so. Aber Unterschiede der Auffassung sind genug geblieben, um etwas wie eine neue Opposition zu begründen, die freilich dem oberflächlichen Beobachter schwerer verständlich sein wird als die einstmalige. Greifen wir um eine kurze Zeitspanne zurück. Schon unter dem Regime Wolffsohn schien den Meisten die Opposition erledigt: hatte doch die Regierung sich das Programm der Opposition zu eigen gemacht. „Wir wollen auch die Palästina-Arbeit" hieß es, und unsere schlechten Politiker ließen sich bluffen, waren mit dem programmatischen Erfolg zufrieden und überließen dem bisherigen Gegner die Durchführung der eben erst von ihm akzeptierten Losung. Ein toller Mißgriff. — Eine Regierung, die, um sich zu halten, das bisher bekämpfte Programm aufgreift, muß genau so radikal beseitigt werden, wie eine, die der neuen Richtung Widerstand leistet. Es wurde verabsäumt. Zum Teil aus Schwäche des eigenen Willens — das wäre ein Mangel. Zum Teil aus Vertrauen in die Erklärungen der Gegner — das wäre eine Torheit. Zum Teil aus Friedlichkeit — das wäre eine politische Sünde. Der Fehler hat sich jedenfalls bitter gerächt, denn was schein* bar im schlimmsten Falle schon beim nächsten Kongreß wieder gut zu machen war, wurde durch allerlei Tricks viele Jahre