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Die Freistatt · 1913-07-15 · Heft 4 (15.7.1913) · p. Seite 262

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 4 (15.7.1913)
Article
Aus der Rolle gefallen
Date
1913-07-15
Page
Seite 262 (sequence 1)
Language
German
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Vom jüdischen Leben und Schaffen. 261 Aus der Rolle gefallen. Der charakteristische Erlass der griechischen Regierung, durch welchen jenen Juden, die während der Kriegswirren Saloniki verließen, die Rückkehr verboten wird, sowie der Ausbruch des neuen Balkankrieges erinnern das leicht vergessliche Israel wieder an das Schicksal dieser jüdischen Stadt. Aber noch vor dem Eintritt dieser Ereignisse finden wir in einer der letzten Nummern des zionistischen „frankfurter Israelitischen Farnilienbiatts* die folgenden beachtenswerten Sätze: »Von den verschiedenen Seiten ist der Vorschlag gemacht worden, Saloniki zu einer Freistadt zu machen mit jüdischer Selbstverwaltung. Und nun denke man sich wieder eine Aktion der gesamten Judenheit zu Gunsten dieses Vorschlages, Liegtauch hier nicht die Wahrscheinlichkeit vor, daß sie von Erfolg gekrönt worden wäre? War doch die politische Situation einem derartigen Erfolge durchaus günstig- Bulgarien hat lange Zeit sich geweigert, Saloniki den Giiechen abzutreten. Auch manche Großmacht sieht es nicht gerne, daß diese mächtige Stadt Griechenland zufällt. Wäre es da nicht bei einem energischen Auftreten einer jüdischen Volksvertretung sehr möglich gewesen, diese Lösung der Schwierigkeit durchzusetzen! Und man bedenke, was es bedeutet hätte, eine der mächtigsten, reichsten Städte Südeuropas jüdische Freistadt! Zum ersten Mal wieder ein jüdisches Territorium — welch glänzende Zufluchtsstätte für so viele jüdische Auswanderer des Ostens, zugleich welche Erhöhung des jüdischen Ansehens. So ist denn der ganze Balkankrieg bereits vorbei, ohne daß wir Juden irgendwie daran gedacht hätten, beim Wettstreite der Völker, der sich dabei entsponnen hat, auch nur schüchtern unsere Forderungen geltend zu machen". Das „Frankfurter Israelitische Familienblatt* schiebt die Schuld an der gerügten Unterlassung dem heute herrschenden philanthropischen System zu — und hat damit zum großen Teile nicht unrecht. Aber doch nur zum Teile Das Blatt vergißt, daß die verschiedenen nationalen Parteien und Gruppen, die es heute doch schon gibt, voran die Zionisten, wohl auch nicht von jeder Schuld freizusprechen sind. Sie sind doch heute auch schon wer innerhalb der Judenheit Warum gehen sie denn dann an solchen Fragen wie Saloniki oder an der Idee einer jüdischen Weltvertretung, die in dem Artikel des „Frankfurter Israelitischen Familienblatts* mitberührt wird, ebenso kühl vorüber wie die schlimmsten Wohl* tätigkeitsjuden? Ja, noch schlimmer: Warum begegnen sie solchen Fragen und Ideen oft sogar mit einer gewissen Animosität oder offener Feindseligkeit? Ein Beispiel für Hunderte: Der Verfasser dieser Zeilen veröffentlichte vor mehreren Monaten, als Saloniki eben von den Griechen erobert war, in einem Warschauer jüdischen Tageblatt einen Artikel, in dem er so ziemlich dieselbe Klage führte, wie das „Frankfurter Israelitische Familienblatt", nur daß er auch die Unterlassungssünden der Nationalen tadelte. Dieser Artikel, der sich der äußersten Mäßigung befliß, hätte in der zionistischen Presse keinen Widerhall gefunden, wenn sich nicht doch ein Einziger berufen gefühlt hätte, den Schweigebann zu brechen. Es war dies ein anonymer Herr, der unter einfach fälschender Behandlung des Artikeltextes in einer amerikanischen zionistischen Zeitung herumschimpfte. Das war alles. Ob der erwähnte Ehrenmann nunmehr auch gegen das stramm zionistische Frankfurter Blatt losgehen wird? Und wenn ja, — was wird dieses Blatt tun? In seine verneinende Justament-Rolle

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