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Die Freistatt · 1913-07-15 · Heft 4 (15.7.1913) · p. Seite 260

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 4 (15.7.1913)
Article
Die ostjüdischen Studenten im Westen
Date
1913-07-15
Page
Seite 260 (sequence 3)
Language
German
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Vom jüdischen Leben und Schaffen, 259 Rolle von großer kultureller Bedeutung erteilt wird. Die neueste Generation der Studenten, die jetzt dem Westen zuwandert, geht auf ganz anderen Wegen als die früheren Maskilims. Wir können bereits mit Genugtuung nicht nur von jüdischen Studenten, sondern auch von einer jüdischen Studentenschaft sprechen. Und die hat den »Weg zur Heimat" angetreten, den Weg der Verinnerlichung und Vertiefung ihres nationalkulturellen Wesens, den Weg zum Anschluß ans Volk. Ueberall im Westen sind jetzt auf dem Boden des früher geschilderten Prozesses ostjüdische Studentenvereine entstanden, die sich dem Studium der jüdischen Kultur und nationaler Arbeit widmen. Durch die überall entstehenden Bibliotheken und Lesehallen, durch Vorlesungen, Vorträge, Referate, literarische und musikalische Veranstaltungen wird an der jüdischen Selbsterziehung gearbeitet, die die Intelligenz mit dem Volke vereinigen solL Ueberall und ganz von selbst entstehen diese Vereine: in Frankreich wie in Deutschland, in der Schweiz wie in Holland, in Belgien wie in Westösterreich. Darin liegt ihre Existenzberechtigung und ihre Lebenssicherung zugleich. Wie wir sehen, hat diese Studentenschaft die innere Möglichkeit erlangt, an der Vermittlungsarbeit zwischen Ost- und Westjudenheit mitzuwirken. Darauf läßt sich die Hoffnung gründen, daß diese Arbeit auch zu positiver Wirkung kommt. So wären auch die Versuche der ostjüdischen Stndenten, mit der einheimischen westjüdischen Studentenschaft und mit der einheimischen Judenheit überhaupt in nähere Berührung zu kommen, ein guter Anfang, wenn nur der Westen entgegenkommender wäre. Das Werk der Selbsterziehung begegnet gewissen Schwierigkeiten. So ist es klar, daß es dadurch gehemmt sein muß, daß es sich fern vom massenjüdischen Leben, dem Mittelpunkte der nationalkulturellen Renaissance, entwickelt. Ein zweites Hindernis bildete der Umstand, daß dieses Werk nicht gemeinsam, sondern vereinzelt getan wurde. Hiergegen wurde der erste Schritt bereits in der vor kurzem erfolgten Gründung des „Verbandes der ostjüdischen Studentenvereine in Westeuropau getan, der die einzelnen Vereine einander näher bringen und ihre kulturelle, teilweise auch ökonomische Tätigkeit nach einem bestimmten Plane und in zentralisierter Ar lenken soll. Abraham Charasch-Zürich. Die „Brüder von Osten" und die „Welt". Ist denn niemand unter den russischen Zionisten und den zionistischen Jiddischisten, der einen Protest zu erheben wagt gegen die Art, wie das offizielle Organ über die heimischen Dinge informiert? Und ist die zionistr sehe Jugend in Deutschland noch immer so ahnungslos über das, was in ihrem Volke vorgeht, daß der Erstbeste ihnen ein Pamphlet als die Wahrheit über „die Brüder von Osten" ausgeben darf? Sollen noch weiter solche Kabinettstücke zionistischer Aufklärungsarbeit uns vorgespielt werden, wie letzthin das 26 Helt der „Welt* eins brachte? Da erzählt Herr P. Gitelsohn seltsame Dinge von „unserer (d. h. der ostjüdischen) Jugend". Seltsam dem, der nur einen flüchtigen Blick in die moderne ostjüdische Publizistik geworfen und dabei wahrgenommen hat, wie sehr das Inteiiigenzlerproblem, die

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