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Die Freistatt · 1913-07-15 · Heft 4 (15.7.1913) · p. Seite 250

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 4 (15.7.1913)
Article
Morris Rosenfeld
Date
1913-07-15
Page
Seite 250 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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S. Niger, Morris Rosenfeld. — Aussprache-Erklärung. 249 „Haltet mich nicht für einen Narren" und dergleichen. Trotzdem ist „Der Löwe", obwohl weniger vollkommen, doch für Rosenfeld charakteristischer als „Mein Kind". Noch mehr: Weil dies Gedicht weniger vollkommen ist, ist es für sein poetisches Temperament charakteristischer. Das klingt paradox, ist aber doch so. Zu seinem poetischen Stil paßt eine gewisse poetische und stilistische Unvollkommenheit. Mit „paßt" meinen wir; Es muß so sein, anders kann es nicht sein. Der Redner, der zu einem Auditorium spricht, zu einer vielköpfigen Masse, nicht zu einem Individuum, achtet nicht auf jedes einzelne Wort, das er sagt. Nicht jedes für sich ist ihm wichtig, sondern nur eines, das, auf dem der Druck liegt, das geschrien und gehört wird. Der Redner will nicht, wie ein Kunstwerk, beruhigen, sondern im Gegenteil die Hörer erregen, und weil sein Zweck der Eindruck ist, nicht der Ausdruck seiner Gefühle und Gedanken, kümmert er sich nicht um die Richtigkeit und Genauigkeit der einzelnen Ausdrücke. Nur möglichst scharf und stark müssen sie sein .... Und das wollen auch Dichter, wie Rosenfeld, weil auch sie in einem gewissen Sinn Redner sind, auch sie eine Menge vor Augen haben, nicht einen Einzelnen, der auf jedes Wort, das man ihm sagt, horcht, weil auch sie beim Dichten hören, wie „Millionen Herzen schlagen" . . . (Schluß im nächsten Heft). Aussprache - Erklärung für die Umschreibung der jiddischen Sprache. Eine ausführlichere Darstellung findet sich in No. 1 der „Freistatt*. Vokale und Diphtonge. (p — im polnischen, s im südlichen, 1 im litauischen Dialekte des Jiddischen.) ps ungef. wie „a" in „Vater"; 1 ungef. wie „ei" in „Teil1*. — € ~ ps ungef. wie in „lebt*; 1 ungef. wie in „Welt". — e psl ungef. wie in „getan*. — ej p ungef wie „ei* in »Teil"; sl ungef. wie „äi\ — 0 — psl ungef. wie in »Gold*. — oj —ps ungef wie „eu* in ,scheut"; 1 ungef wie »äi*. — ou — ps ungef. wie „outt; 1 ungef. wie „eu" in „scheut". — ü —ps ungef. wie in „Hut, Mutter*; 1 ungef. wie „o* in „Gold". — y — ps ungef. wie „ie" und „i" in „Ziel, Kind*; I wie „u« in „Mutter*, Konsonanten. c^wie „2" in „Zeit.* — ch —immer wie in „ach*. — s—immer wie in »Masse*. — sh —wie „schein „schon*. — z —wie „s* in „Sonne*. — zh~wie „g* in „Genie".

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