Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 4 (15.7.1913)
- Article
- Entgegnung
- Date
- 1913-07-15
- Page
- Seite 240 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Ludwig Strauß, Entgegnung, 239 „Assimilantentum" und „Assimilation". Ich brauchte das Wort „Assimilation", wie es stets in der nationalistischen Literatur gebraucht wird, als Bezeichnung einer historischen Tatsache, einer „Anomalie unserer Lage", einer Entwicklung, die über uns alle Macht hat. Ich schrieb von den Resultaten dieser Entwicklung: „Sklaven sind wir alle". Der Unterschied zwischen mir und Bab besteht darin, daß Bab sich einer Entwicklung überläßt, aus der ich hinausstrebe, und einen anderen Unterschied, den der moralischen Qualität, habe ich Bab gegenüber und in diesem Artikel ganz gewiß nicht zu konstruieren gesucht. Die „einige Verachtung", mit der Bab Vorwürfe abwehrt, die ihm niemand gemacht hat, trifft höchstens ein Geschöpf der mißtrauischen Phantasie Babs. Energisch wehren muß ich mich aber dagegen, daß Bab von jenem im Zusammenhang mit meiner Person spricht und so meine überlegte und, wie ich glaube, bei aller offenen Gegnerschaft gerechte Haltung in dem Artikel mit der ziemlich gewöhnlichen verquickt, die er von mir erwartet hat Würde sich Herr Bab nun wirklich darauf beschränken, einen prinzipiell von unserem verschiedenen Standpunkt zu bekennen, so wäre nicht viel weiter zu sagen. Er richtet aber gegen uns Angriffe, die nur bei einer weitgehenden Unkenntnis unserer Absichten und der schriftlichen Dokumente unserer Bewegung möglich sind. Von ihnen muß gesprochen werden. Dazu ist freilich ein Zurückgreifen auf prinzipielle Verschiedenheiten nützlich. Und zwar sei zunächst der typische Unterschied unserer Organismen angedeutet: Dort herrscht der Sinn für Situationen, hier für Tendenzen, dort für die Erfahrung, hier für die Idee, dort für das Gewordene und die Gegenwart, hier für das zu Schaffende und die Zukunft. Deshalb kann Bab „sein Gebot vom wahrhaft erfahrenen Leben empfangen", während wir dies erfahrene Leben nur als Material betrachten. Ihm gegenüber stellen wir den von der Idee beherrschten Willen, um es umzugestalten (Bab nennt ihn mit einem Ausdruck unbeherrschter Verkleinerungssucht „phantastische, intellektuelle Leidenschaft"). So stehen wir, zwei Lager verschieden Fühlender, in einer gleichen Situation und reagieren auf sie jeder nach seiner Art. Die Situation, wie sie sich uns und wohl auch Bab darstellt, sei hier angedeutet; Menschen von jüdischem Blut, mit jüdisch gearteten Kräften sind in eine nichtjüdische Umwelt durch den Prozeß der Assimilation eng einbezogen. Sie haben alle eigennationalen Inhalte verloren, und ihre Abstammung äußert sich nur noch formal in der besonders gearteten Aufnahme und Verarbeitung fremdnationaler Inhalte; sie ist, wie Bab sagt, „eine