Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 4 (15.7.1913)
- Article
- Zur Charakteristik der jüdischen Kultur
- Date
- 1913-07-15
- Page
- Seite 239 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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238 Ludwig Strauß, Entgegnung Durchdringung von Person und Gesamtheit einer der wesentlichsten Züge dieses Kulturtypus, und bewährt sich auf allen Stufen der jüdischen Geistesentwicklung, solange diese ihre ursprüngliche Richtung nicht verlassen hat Die Erscheinung, daß ein ausgeprägter Kulturtypus sich auch in einer bestimmten Nationalität verkörpert, ist ebenso logisch begreiflich, wie geschichtlich bestätigt. Wir reden doch immer von einem hellenischen und indischen Kulturtypus, und diese Typen hatten soziale Gruppen mit ausgesprochenen nationalen Merkmalen zu ihren alleinigen Trägern. Und wie könnte es anders sein, da der geistige Habitus es eigentlich war, der erst dieser oder jener sozialen Gruppierung den Stempel ihrer Eigenart aufgedrückt hatte? Das Zusammenwohnen auf einem bestimmten Fleck, die Sprache, in der man sich verständigte, bildeten wohl die formalen Bedingungen, aber nicht die konstituierenden Faktoren dieses Habitus. Natürlich mußte man irgendwo zusammen sein, natürlich mußte man sich irgendwie verständigen, damit überhaupt geistige Zusammenhänge entstehen könnten. Aber nichtsdestoweniger blieben die Zusammenhänge eine Sache für sich, die auch unabhängig von diesen äußerlichen Merkmalen existierten. Die Frage dürfte vielmehr im Umgekehrten enthalten sein: Wie ist es gekommen, daß im Verlaufe der sozialen Entwicklung sich Nationalitäten herausbildeten, die keinen einheitlichen Kulturtypus mehr aufzuweisen vermochten? Unseres Erachtens kam dies auf dem Wege der Eroberungen, Unterwerfung fremder Stamme und gewaltsamer Annexionen zustande, welche divergierende Kulturtypen wahllos durcheinanderwarfen. Aber dies bildet ein Kapitel für sich, das eine selbstständige Behandlung erfordert. Entgegnung. Von Ludwig Strauß. Ehe ich den sachlichen Ausführungen des Herrn Bab entgegne, ist es nötig, meine Haltung in dem Artikel „Ein Dokument der Assimilation" ein wenig den Lesern ins Gedächtnis zurückzurufen, nachdem Herr Bab sie gewiß ohne seinen Willen etwas verzerrt dargestellt hat. Es ist objektiv unwahr, daß ich das Assimilantentum „bequem" genannt habe. Im Gegenteil schrieb ich gerade in dem hier diskutierten Artikel dem Assimilanten, der wirklich Ernst mit seinem Willen macht, „ethische Kraft" zu. Zudem habe ich Bab nicht einmal einen Assimilanten genannt; er verwechselt