Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 4 (15.7.1913)
- Article
- Ein Volk feiger Knechte
- Date
- 1913-07-15
- Page
- Seite 224 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3119801-3119802-3119806-3120377--0376-3120472- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Dr. R, Seligmann, Zur Charakteristik usw. 223 eigenen nationalen Rechte aufräumen kann. — Doch — der Sklavensinn macht blind, und so schreiten sie von Niedertracht zum Verrat dahin und — schlagen den größten Alarm, sobald nur eines ihrer winzigsten Rechte bedroht wird. — Ein Volk mit der Hottentotenmoral ohne Spur von Hottentotennaivität Zur Charakteristik der jüdischen Kultur. Von Dr. R. S e 1 i g m a n n. Daß im Judentum nationale und religiöse Elemente uns in einer innigen Verschmelzung gegeben sind, oder richtiger ausgedrückt, daß Vorstellungen und Anschauungen rein religiöser Natur hier nicht die einzelne Person in ihrer individuellen Abgeschlossenheit und Ausschließlichkeit, sondern eine ganze Gemeinschaft von einer ganz bestimmten Prägung zu ihrem Träger haben — in diesem eigenartigen sozialen Phänomen besteht das ganze Problem des modernen Judentums, das mit jedem Tage sich immer bedrohlicher zuspitzt und immer gebieterischer nach einer Lösung drängt Wir haben nicht ohne Absicht von einem modernen Judentum gesprochen, denn die Verquickung von religiösen und nationalen Momenten war im antiken Judentum eine sehr natürliche Erscheinung, und nur unsere moderne Anschauung von der Religion als Privatsache verleiht dieser an sich natürlichen Tatsache ein problematisches Aussehen. Religion bedeutete den antiken Hebräern, wie übrigens allen anderen semitischen Gemeinschaften, den Inbegriff von gewissen Gebräuchen, Anschauungen und Stimmungen, die ein Gemeingut der ganzen Gruppe waren, oder kürzer ausgedrückt, gewisse Gedankenzusammenhänge religiöser Natur bedeuteten den alten Hebräern soviel wie Kultur überhaupt. Eine andere Kultur als eben die religiöse gab es in der ganzen Antike überhaupt nicht. Die Vorstellung, daß der Schwerpunkt alles Religiösen in einem rein persönlichen Verhältnisse liege, ist erst ein Produkt eines spateren Entwicklungsganges, der, wie wir unten ausführen werden, von dem Judentume selber seinen Ausgangspunkt nimmt Die Frage dürfte eher im Umgekehrten liegen: Wie ist es gekommen, daß das Judentum im großen und ganzen sein nationales Gepräge bewahrt hat, während fast überall Religiosität und Nationalität, ursprünglich ebenfalls in einem gemeinsamen Punkte wurzelnd, im Laufe der weiteren Entwicklung sich voneinander trennten, um von nun an ihre eigenen Wege zu gehen?