Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 4 (15.7.1913)
- Article
- Ein Volk feiger Knechte
- Date
- 1913-07-15
- Page
- Seite 222 (sequence 1)
- Language
- German
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Maxim Anin, Ein Volk feiger Knechte. 221 Ein Volk feiger Knechte. Von Maxim Anin,*) „Warschau, 14. (27.) Juni. Unter dem Einfluß der polnischen Boykott-Agitation bildete sich eine Bande junger Brandstifter, die in der Nähe von Sosnovice 6 jüdische Häuser in Brand gesteckt haben. Der Anführer der Bande ist 11 Jahre alt; die übrigen 10 bis 14. Die Brandstifter sind arretiert und erklärten, sie hätten unter dem Einflüsse der Erwachsenen gehandelt. Die Polen sahen vergnügt dem Feuer zu und bewarfen mit Steinen die Juden, die die Thorarollen und ihr Vermögen retten wollten." Nur ein Volk feiger Sklaven kann solche Blüten treiben. Einen neuen Rekord der Bestialität haben sie in der Judenhetze aufgestellt. Darauf verfiel bisher noch niemand — Kinder als Werkzeug einer gemein-verbrecherischen Gesinnung gegen uns zu mißbrauchen. Mild und einfältig erscheint die Inquisition dieser Niedertracht gegenüber. — Wir haben ihnen „Majufis" gesungen, — und sie sind die gemeinen Knechte. Ein Gemisch von Heuchelei und Zynismus: Weil wir im Wahlkampf nicht für einen offenen Judenhasser gestimmt haben, mußten sie uns den Boykott erklären! Niedrigster Krämerhaß und kleinlichster Spießerneid. Gewiß, Kaufleute und Handwerker konkurrieren. Aber daß hier der „Progreß" als Fahne mißbraucht wird, daß die Intelligenz an der Spitze des Krämerkreuzzuges einherschreitet, daß die breitesten Schichten des polnischen Volkes frohlocken und bestenfalls eine „wohlwollende Neutralität" bewahren, daß — Kinder in diese Schmach hineingezerrt werden, — das alles ist beschämend niederträchtig. Leute, die stets und überall bestrebt sind, ihre ordinärsten Triebe mit den grellsten Federn zu schmücken: Aeußerer Stolz — der Deckmantel innerer *) Den Kommentar zu diesem Aufruf gegen das Polentum gibt der Auszug aus einem Briefe M. Anin an die Redaktion: „Einweilen diese wenigen Zeilen über die unerhörten Gemeinheiten, di gegen uns in Polen tagtäglich begangen werden. Freunde — die aus Polen kommen, behaupten, es werde dort fast unmöglich zu leben. Sie werden mir wohl beipflichten, daß es unsere gemeinsame alljüdische Pflicht ist, energisch und überall gegen das Polentum loszugehen. Wir müssen sie alle für diese Schandtaten verantwortlich machen — denn durch ihr Verhalten solidarisieren sie sich mit den Uebeltätern; selbst den polnischen Sozialisten kann dieser Vorwurf nicht erspart bleiben —