Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 4 (15.7.1913)
- Article
- Alljüdische Kritik
- Date
- 1913-07-15
- Page
- Seite 202 (sequence 1)
- Language
- German
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■ 1 V la J' DIE FREISTATT ■i v ■ ■ J r ■ i \ tm ALLJÜDISCHE REVUE Ii TS MONATSSCHRIFT FÜR JÜDISCHE KULTUR UND POLITIK 1. JAHRGANG 15. JULI 1913 No. - 4 Alljüdische Kritik. Von F. M. Kaufmann. IL Die Sterilität der zionistischen Doktrin. Es ist i n n e r h a 1 b der zionistischen Bewegung nicht zu einem Ausbau, zu einer kontinuierlichen Fortentwicklung der Doktrin gekommen. Es gibt keine „Schule", es gab nie ein Organ für wissenschaftlichen Zionismus. Broschürenliteratur und Tagespresse — daö ist alles, an das sich der Kritiker halten kann. Die Theorie des Zionismus ist steril geblieben. Die Theorie einer Bewegung, die geschaffen und getragen ist von der „europäischsten", federgewandtesten Intelligenz, war zu unfruchtbar, um es zu selbständigen, eigenartigen Systembildungen zu bringen. Also geistige Stagnation in einer Intelligenzlerbewegung. Das ist eine derart befremdende Erscheinung, daß sie sich nicht als zufällig abtun läßt; sie muß in organischen Fehlern der Bewegung, die der erstarrten Theorie als Ausgangspunkt dient, ihren Ursprung haben. Nun liegt, wie es bereits die bisherigen Untersuchungen im L und II. Heft der „Freistatt" ergaben, ein entscheidender organischer Fehler darin, daß der Zionismus gedacht ist als Volksbewegung, als Tat des Volkes für das Volk; daß er aber nicht am Lebensatem der großen Massen orientiert ist, sondern an den Aspirationen bereits fast entjudaisierter Schichten. Man bedenke, was es heißt für eine Bewegung, die mehr als jede andere den Namen des Volkes als Wahrzeichen auf die Fahnen schreibt, mehr als jede andere wunschhaften, emotionalen Charakter trägt, wenn sie nicht getragen und geleitet wird von der unverfälschten Emotion der Volksmassen.