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Die Freistatt · 1913-06-15 · Heft 3 (15.6.1913) · p. Seite 172

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 3 (15.6.1913)
Article
Geistige Produktion in Palästina
Date
1913-06-15
Page
Seite 172 (sequence 6)
Language
German
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Julius Bab, Assimilation 171 und der neue Jischub sich dadurch immer mehr verunzieren. Auch die Presse nimmt hier einen allzu großen Raum ein. Der Schriftsteller träumt hier nicht von dem Verfassen irgend eines wichtigen Buches oder von irgend einer bedeutenden Produktion, sondern von der Gründung einer Zeitung. Man braucht nur eine Unterstützungsquelle zu finden, und die Sache ist fertig. Hier wirkt auch der Materialismus des Orients, Man ist allzu sehr in materielle Dinge und Geldangelegenheiten vertieft Mangel an Kultur und geistigen Interessen machten die Orientalen zu Napoleonsjägern (Napoleon die Münze, nicht der Mensch). In Rußland schreibt der Jude, ohne lange zu rechnen, die Rechnung kommt erst nachher oder überhaupt nicht. Aber wenn hier bei uns sich jemand geistig betätigen will, so möchte er, daß man ihm sein Honorar schon von vornherein verspricht. Die Archive unserer ausländischen Institutionen könnten in dieser Hinsicht viel erzählen. Abei diese Perspektive einer Produktionslosigkeit trifft nur in bezug auf die nächste Zukunft zu. Für eine geistige Produktion ist hier die Zeit noch nicht gekommen, sind die Bedingungen noch nicht geschaffen. Das Leben raubt hier alle Kräfte, Der Schriftsteller, der hierher kommt, wird höchstens Publizist, wenn nicht ein schlechter Übersetzer von Lehrbüchern. Darüber hinaus darf man jetzt nichts erwarten. Von anderen Künsten kann man überhaupt nicht sprechen. Im besten Fall bekommen wir gute Handwerker. Für Produktion und Kunst ist das Feld noch nicht vorbereitet „Assimilation"/) Von Julius Bab. Sehr gern erfülle ich den Wunsch des Herausgebers, den kritischen Ausführungen des Herrn Strauß hier eine Antwort entgegenzustellen. Eine Antwort, die keine Antikritik sein soll» denn sie wird ganz wesentlich im Bekenntnis eines prinzipiell verschiedenen Standpunktes bestehen. Aber wenn ich auch nicht hoffen darf, meine Anschauung ihm und der Mehrzahl *) Ich gebe hier einer Erwiderung des Herrn Bab auf den Artikel „Ein Dokument der Assimilation * (Heft 1) Raum, der im nächsten Heft eine Antwort des Herrn Strauß folgt. Ich hoffe, daß diese Debatte einen weiteren Umfang annehmen wird, vor allem, daß einige der deutsch-jüdischen Dichter selbst zum Thema des Anteils der Juden an der deutschen Dichtung das Wort ergreifen. Der Herausgeber.

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