Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 3 (15.6.1913)
- Article
- Jerusalem
- Date
- 1913-06-15
- Page
- Seite 147 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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146 Scholem Asch, Jerusalem. Jerusalem. Von Scholem Asch. (Schluß.) Dies alles war möglich, weil die Juden nie nach einer großen Weltherrschaft verlangten. Die wahre Erlösung war nicht gekommen. Die Erlösung durch Esra und Nehemia konnte den Juden nicht als volle Erlösung erscheinen. Das Königtum des Hauses David existierte nicht mehr. So wollten sich die Juden lieber auf innere Arbeit konzentrieren und den neuen Typus, das Judentum, im Geiste der Thora schaffen als Welten erobern. Wir sehen also bald nach dem Tode Merodes* die Juden den unpolitischen Schritt tun, nach Rom, wo Hemdes* Erben ihren Thronstreit vorbringen, eine Deputation zu schicken, welche um Einverleibung des Königreichs Juda in Syrien, und zwar unter einem Statthalter, keinem König, bittet. Um es deutlich auszudrücken: Sie bitten um das Verschwinden des jüdischen Königtums als besonderen Staates. Und nicht nur gegen einen Feind, gegen Herodes, handelt Juda so. Im heftigsten Aufstand, als das ganze jüdische Volk in Jerusalem versammelt war, und alle ein großer Geist beherrschte: „Freiheit oder Tod", „Kein Herr außer Gott" — da stiehlt sich ein Tanna (Gesetzeslehrer) ins römische Lager und bittet den Feind: „Gib mir Jabne und seine Weisen!" Bei einem Volk mit politischer Reife würde man diesen Tanna mit dem Namen, den er verdient, nennen. Bei uns nennt man die Volkshelden, deren hartnäckige Tapferkeit gegen den größten Eroberer, gegen Rom, die Welt noch heute bewundert, — „Strolche". Die Namen der Helden sind vergessen, und die, welche wir im Gedächtnis behalten haben, werden verlacht Aus der Arena Roms, aus dem Kampf mit den Bestien hören wir noch ihren Heldenschrei, und wir sehen das Feuer, das in ihren Augen für die Freiheit flammt. Für die ganze Welt Helden — für ihr eigenes Volk — „Strolche". Sie müssen die Schätze an Lebensmitteln, die sie für den Krieg vorbereitet hatten, selbst verbrennen. Denn das eigene Volk benützt sie, um einen demütigen Frieden zu schließen. Und der letzte jüdische Held! — Nur ein freier, nur ein großer Geist verstand ihn — Akiba. Für die anderen war er Bar-Kosiba, der „Lügensohn". Denn „nicht durchs Schwert und nicht durch Gewalt, sondern durch den Geist Gottes . . ."