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Die Freistatt · 1913-06-15 · Heft 3 (15.6.1913) · p. Seite 146

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 3 (15.6.1913)
Article
Sprachadel
Date
1913-06-15
Page
Seite 146 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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Dr. Nathan Birnbaum, Sprachadel 145 in gewissen inneren Beziehungen stehe. Ich meine diejenigen, die nicht nur fühlen, daß Judentum mehr als eine Summe jüdischer Eigenschaften und Methoden, daß es auch ein gewisser Inhalt, ein gewisses objektives Ideal ist, sondern die auch die Natur dieses Inhalts und Ideals zu begreifen anfangen. Ich meine diejenigen, die die Juden als Volk anerkennen, aber zugleich auch erkennen, was der wahre Reichtum dieses Volkes ist und nach seiner Wiederheiligung, nach einem Wiedererwachen seines religiösen Genies sich sehnen. Von ihnen wenigstens sollte man doch erwarten, daß sie dem unfruchtbaren Rationalismus gründlich den Abschied gegeben haben. Sie sollten doch wahrlich verstehen, wie wichtig die wahre, die gesprochene, eigene Sprache des Volkes ist, damit die Gesamtheit und der einzelne nicht nur im Bethaus, sondern auch im Leben von Heiligkeit durchdrungen werde. Doch nein, sie haben für Jüdisch dasselbe hochmütig-alberne Lächeln, wie alle die Spießbürger mit den Spießbürgergehirnchen, — nur vielleicht etwas diskreter, etwas diplomatischer. Und mit schwerem Herzen stellt man fest, wie wenig Glück wir mit unseren Rettern haben, auch mit denjenigen, von denen wir Besseres hätten erwarten dürfen: Da treten sie an Fragen heran, zu deren Beantwortung es nötig ist, mitten im Volke zu sein, um über alle seine Kräfte und Rätsel zu verfügen — und drechseln irgendwo in einer Ecke neue Emotionen für ein paar fremdgewordene, losgelöste, sehnsuchtskranke Intelligenzler, meist des jüdischen Westens ... Da wollen sie Aufgaben lösen, zu deren Bewältigung man Lebensschaffer, Völkerbauer braucht, und sind letzten Endes nichts weiter als Literaten..... Ja, eine Strafe hat uns ereilt, größer als alle, die Gott gegen uns ersonnen hat, seit er zu seinem Volke uns wählte. Wir haben wirklich kein Glück, weder mit unseren Rettern, noch mit unseren einfachen Intelligenzlern. Selber irren sie und meinen zu führen. Das Volk aber ist verlassen. Wie eine gewaltige Maschine steht es da, von der man die Räder abgeschraubt hat: Ein lahmer Riese . . . Und doch wollen wir die Hoffnung nicht aufgeben. Vielleicht wachsen der Maschine wieder die Räder an. Vielleicht erstehen uns noch neue Retter und neue Intelligenzler, die den wahren Adel des jüdischen Volkes und der jüdischen Sprache verstehen . . . Vielleicht ... Es gibt einige gute Anzeichen hierfür.

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