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Die Freistatt · 1913-05-15 · Heft 2 (15.5.1913) · p. Seite 128

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 2 (15.5.1913)
Article
Zentralverein und Zionismus
Date
1913-05-15
Page
Seite 128 (sequence 2)
Language
German
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128 Jüdisches Leben und Schaffen. entgegenhielten, waren Einwände, die einen geraden, aufrechten Menschen lachen machten. Diese westlichen Ignoranten haben den Zionismus unendlich verwöhnt, haben ihn satt und feist gemacht, Sie sind schuld, dass die Zionisten taub und blind wurden auch gegen die ernsthafte, überlegene Kritik, dass über die zionistischen Theoretiker das Verlangen kam nach Rechthaberei in jedem Fall. Sie sind schuld, dass selbst die Führer heute noch nicht reif genug sind, nur annähernd den Wert und das Zwingende dieser Kritik zu erfassen. Und dies ist es, was wir befürchten: dass diese berüchtigte Resolution die Geistigeren unter den Zionisten hindern wird, trotz dem auf jedes kritische Wort lauernden Widersacher zu sagen, was ist, dass die plumpen Kraftmeier, die ewig von der Wichtigkeit der Disziplin [d, h. also dem Nichtzuendedenken kritischer * reformistischer Gedanken] reden, auch weiterhin jede Kritik, jede innere Evolution zu verhindern suchen mit dem Hinweis auf das Schreckgespenst, das als Zentralverein verkappt draussen lauert, Pinkus Barber. Unser Nachwuchs. Wenn dieses Heft in die Hände der Leser gelangt, dann sitzt man in Frankfurt am Main gerade beim Festessen des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, die Augen aller Zuhörer hängen an den Lippen der Festredner, herrliche Worte fallen, die Begeisterung steigt aufs höchste, abends wird getanzt — und die Zionisten, das heißt die paar deutschen Juden, die wenigstens den schüchternen Versuch machen, jüdisch zu sein und zum jüdischen Volke hinzustreben, werden voraussichtlich auch bei den Jugendvereinen kaltgestellt worden sein. Man wird die Neutralität (o, diese verfluchte Neutralität!) glücklich wieder gerettet haben, um den Preis» 14000 junge Juden, 14000 heranwachsende Menschen ihrem eigenen Volke immer mehr entfremdet zu machen und sie so allmählich der vollständigen Ignoranz, der sicheren Verblödung zuzuführen, wenn es sich darum handelt, in jüdischen Dingen mitzusprechen. Man wird in diesen sogenannt jüdischen Jugendvereinen weiter gesellige Abende veranstalten mit Cabaret „ unter Mitwirkung hervorragender hiesiger Künstler* und nachfolgendem Ball; man wird in diesen Jugendvereinen von Hochwürden dem Herrn Rabbiner apologetische Vorträge halten lassen, selbstverständlich unter Wahrung strengster Objektivität, — doch jüdischen Gegenwartsfragen werden unsere Jungen auch weiterhin verständnislos gegenüberstehen. Aber die Neutralität ist gerettet! Denn das ist die wichtigste Arbeit jüdischer Jugend vereine, warmherzige Menschen zum Neutrum zu erziehen! Noch eins wäre zu konstatieren. Gewöhnlich strebt die Jugend hinaus, weit hinaus über das Erreichte der Väter und meistevs im Kampf mit ihnen, denn in der Jugend lebt der Kampf und der ungestüme Wille. Die Jugendvereinler aber gehorchen brav und willig ihrem Papa, dem Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, (Sie wissen freilich, warum.) Und solche Wohlerzogenheit und solch schönes Benehmen ist in diesen bewegten Zeiten immer etwas Rührendes und Erfreuliches, Efscher Doch,

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