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Die Freistatt · 1913-05-15 · Heft 2 (15.5.1913) · p. Seite 127

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 2 (15.5.1913)
Article
Zentralverein und Zionismus
Date
1913-05-15
Page
Seite 127 (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Leben und Schaffen. 127 Jüdisches Leben und Schaffen. Zentralverein und Zionismus. Wir wollen hier nicht reden von der Verlogenheit und der Brutalität, mit der die zahlenmäßig größte, intellektuell, ethisch, reinmenschiich — da diese Herrschaften ja das jüdische Kriterium ablehnen — aber widrigste unbedeutendste, durch und durch verspießerte Organisation deutscher Juden das eigne Volkstum preisgab. Denn wir glauben schon lange an die brutale Dummdreistigkeit dieser sich von allem Jüdischen kastrierenden Menschen. Aber wir dachten, sie sind zu verschlagen, um sich auf die Basis der nichtjüdischen Antisemiten zu stellen und deren Heldentaten zu sanktionieren. Nur die Dummheit, nicht aber das Unmännliche, Kulturwidrige dieser papiernen Resolution hat uns überrascht Denn das eine wußten wir: Theoreretisch, gefühlsmäßig ist die Basis längst geschaffen, auf der sich Zentralvereinler und Antisemiten verständigen können. Hass gegen alles ungebrochen Semitische, gegen das lebende, ringende, kulturelle Werte schaffende Volk, Hass gegen die Östlichen Menschen mit den flammenden, undeutschen Augen — der eint die instinktlosen Reserveleutnantsaspiranten den Leuten vom Schlage Oertels.-- Nun aber sind Resolutionen ein letztes, aber kein erstes Wort, — der nach aussen sichtbare Ausdruck von Entwicklungen, die sich längst angebahnt haben. Sicherlich wird diese Resolution eine längst vorhandene Situation scharf kennzeichnen, viel Wortgeplausch und äusserliche Aktion hervorrufen, — aber die treibenden Kräfte werden durch sie kaum beeinflusst. Deshalb erblicken wir ihr Gefährliches in der indirekten Wirkung aufdie Evolutiondes Zionismus. Daran krankt ja dessen Geistigkeit, seine ethische Kraft und die Weiterentwicklung seiner Ideologie, dass ihm im Westen bisher keine Gegner, kaum Kritiker, gegenüberstanden, sondern nur Widersacher. Der Gegner, — das ist der, der mit mir zumindest auf gleich hohem, geistigen und sittlichen Niveau steht, — der Sachkundige, der mich zwingt, immer schärfer meine Argumente zu überdenken; — der Gegner ist der beste Freund meiner Geistigkeit. Der Gegner hätte den Zionisten vorgeworfen ein Manko, ein Vielzuwenig an Volksgefühl und Jüdischkeit. Er hätte sie gezwungen, sich immer genauer an den jüdischen, und das will sagen den ostjüdischen Wirklichkeiten zu orientieren. Er hätte das ganze Missverhältnis zwischen diesen Wirklichkeiten und der zionistischen Doktrin aufgedeckt. Er hätte es nimmermehr zu dem künstlich gereckten, erzreaktionären „odi profanum*, in dem sich heute die renaissancemarkierende Intelligenz gefällt, kommen lassen. Der Gegner hätte so etwas wie eine geistige Evolution zum lebenden Volk hin erzwungen. Der Widersacher aber, das ist der jämmerliche Kläffer, den nicht der Hass treibt, nicht die Liebe zu sauberm Denken, oder gar der gewaltige jüdische Wahrheitssinn, Der Widersacher kennt nur eins: das Geschäftsinteresse. Diese Menschen wussten noch weniger vom jüdischen Volk als die Zionisten — was sie den letzteren

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