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Die Freistatt · 1913-05-15 · Heft 2 (15.5.1913) · p. Seite 126

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 2 (15.5.1913)
Article
Jiddische Volkslieder
Date
1913-05-15
Page
Seite 126 (sequence 4)
Language
German
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126 Jiddische Volkslieder, arme Taube. Der Mann geht ins Lehrhaus, und liest die Sedres (Bibelabschnitte), beim Beten singt er, bei „Kudojsch" (Gebetstelle) „springt* er. — Holz muss ich selber hacken Nichts da, um Brot zu backen. Und dann mit den Kindern — mit jedem besonders: Das eine schlafen legen, dem zweiten die Augen zumachen, das dritte hinausführen, dem vierten den Kopf schmieren Und das ist noch nicht alles: Eine Beschneidung in jedem Jahre!] 10. Got, dy Got, derbarSmdiker, Wüs bin ech nit kejn mazldiker? Wi män mame hot mech gSbojren, Jz shojn man mazl bald farlojrgn; Yn wi di bü be hot mech cygenymen, Hot zi shojn man mazl nit gefynen. Läteshe mazüles tyn of di wasern shwimen, Yn ech ty zychn, yn ty nit gefinen. Jn der gancer weit bin ech arymgelofn Yn ech hob män mazl nit getrofn, [Gott, barmherziger Gott, warum bin ich nicht glücklich? Als meine Mutter mich gebar, da ging mein Glück schon verloren; und als die Hebamme mich hob, da fand sie mein Glück nicht mehr* Andrer Menschen Glück schwimmt auf den Wassern, doch ich suche und finde es nicht. In der ganzen Welt bin herumgeirrt und habe doch mein Glück nicht getroffen.] IL Bin ech mir a melamedl, Knel ech ofn dorf a zman; Nem ech dortn melamdesgelt An achtl kartofl fyn dem pan. Lern ech dortn Jwre Mit di pouershe kep Yn ech räs di mejdalech Far di grojse cep. Kontshö ech biz Pejsech Dem grojsn zman, Für ech cy män wäb ahejm Mit a pystn karman. Doch iz zi a malke Yn ech bin a kejser, Yn mir dercejln nisem Wüs tyt Got der grojser. [Ich bin ein Lehrerlein und unterrichte auf dem Dorf ein Halbjahr, dann nehm ich das Lehrgeld, ein Achtel Kartoffeln vom Herrn. — Ich bringe dort den Dorfschädeln Lesen bei und reisse die Mädchen an den langen Zöpfen. — Bis Pessach beende ich das lange Halbjahr, dann fahr ich heim zu meinem Weib mit leerer Tasche — Doch ist sie eine Königin, und ich bin ein Kaiser, und wir erzählen die Wunder, die Gott, der Grosse, tut. 12. Zic ech mir, a fisale iber a fys Yn zing mir a lidale cykerzis. A shnäder cy zän, iz gür ous di weit, Wyhin er kymt, fardint er gelt* Az di joldn woltn gewolt zech baklern, Woltn zej ale shnäders wem. Wer ken redn chanfedike rejd» Yn wer ken nejen shejn a klejd, Yn wer iz take a fäner jyng? Take ech — Mojshe Kling! [Ich sitze so, einen Fuss über dem andern und singe mir ein wunderschönes Lied. Ein Schneider zu sein, das ist das Beste auf der Welt, wohin er kommt, verdient er Geld. Wenn die Burschen nachdenken möchten, alle würden sie Schneider werden Wer kann süsse Worte machen, und wer kann ein Kleid schön nähen, und wer ist wirklich ein fescher Gesell? Ja, das bin ich, Mojsche Kling.] Die Lieder 1 u. 3 sind entnommen: „Nojech Prilucki, Jideshe folkslider. Ershter band. ReligjSzeshe yn jontewdike, — Farlag „Bicher-far-ale", Warshe 671, (Einleitung und Anmerkungen jüdisch.) — Die Lieder 2, 5 bis 12 „Ginzburg i Marek, Jewrejskija narodnija pjesni w Rosij. St Peterburg, 1901. (Einleitung und Anmerkungen russisch.)

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