Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 2 (15.5.1913)
- Article
- Portraits junger Jüdinnen
- Date
- 1913-05-15
- Page
- Seite 119 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Verse. 119 O die zu mir kommt Herab von den Waldhügeln, sie ist wie eine Blume klein und so voll Süßigkeit, Zart steht sie vor dem Licht. Ihr Gesicht Dämmert, offen entfaltet und betrachtet, wie ein Gesicht im Spiegel, Es weiß sich ganz. Wahrt sich ganz Und ihres Leibes warmes, zitterndes Gefäß, darin ihr Auge gießt: Trost und Güte und die grenzenlosen Opfer, Die Geduld der Blume, Die mit geschlossenen Blättern sich von ihrem Dufte dunkel nährt Und wartet auf das Licht, Des nächtigen Himmels Gerechtigkeit; er öffnet sich über dem Liebenden und zärtlich ist er Mit dem Schuldigen auch, Leichtsein der Wolke, Denn still und heimisch wird, was ihre kleine Hand berührt, In verwehenden Himmeln. II Ich versprach Dir, Von Dir zu singen, denn wie um eine schmächtige Birke ist Gesang Um Deiner Glieder unbeholfene Lebendigkeit Du bist freudig auf Erden, Aber nie verlierst Du die Geberde der Verirrten, die fragt: „Ist dies mein Leben?* Nie das Staunen der Kinder aus Deinen Augen. In Deinem Geist Blitzen von fremdem Geiste Lichter noch, Dunkel rinnt Dir noch im Blut Vom Dunkel der Herkunft. Kein Gewohntsein darf Ersticken die ursprünglichen Sehnsüchte* Sie riefen mit der Stimme trauriger Kinder unter uns: „Ist es so, wenn Menschen beisammen sind?* Ich sah Dich sitzen im Boot, Die Männer ruderten; rührend, kindlich und hilflos war die Haltung Deines Rückens, Bald aber griffen Deine fröhlichen Hände zu den Rudern. Tun willst Du, Deine Augen sind groß vor Mut; Glut und Forderung flattern um Deine bewegten Glieder, Du gehst vorwärts.