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Die Freistatt · 1913-05-15 · Heft 2 (15.5.1913) · p. Seite 105

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 2 (15.5.1913)
Article
Hebräische Literatur
Date
1913-05-15
Page
Seite 105 (sequence 2)
Language
German
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Dr. M. Mayer, Einführung in die hebräische Literatur. 105 mit dem blutigen, unfruchtbaren Kampf gegen die nicht- und unjüdische Umgebung. Die positiv-jüdischen Kunstfrüchte wuchsen fast ausschließlich am Baume schmerzvoll-phantastischer Unwirklichkeiten: die literarischen Niederschläge der absterbenden kabbalistischen Weltanschauung und die jungpalästinensischen Harfen mit ihrem schwermütigen Widerhall in den Ländern des echtjüdischen Golus, wahrlich eine spärliche Nahrung, sogar für Willige und Verständnisvolle! Aber wenn diese beiden in ihrer Art grandiosen Kundgebungen jüdischer Aufbauungssehnsucht im Westen keinen entscheidenden Eindruck zu machen imstande waren, wer könnte da den Mut finden, mit literarischen Erzeugnissen aufzutischen, welche die jüdische Wirklichkeit mit ihren engen äußeren Verhältnissen, ihren zwar verschiedenartigen, aber doch nur für den sich bedingungslos hingebenden Volksfreund interessanten Menschentypen zum Kunstobjekt hat? Und doch muß alles dies immer von neuem versucht werden! Ein gutes Stück Arbeit hat auf diesem Gebiet der „Jüdische Verlag" bereits geleistet, der in den ersten Jahren seines Bestehens eine geradezu epochemachende Tätigkeit entfaltete, um den verachteten Osten dem verwöhnten Westen einigermaßen innerlich näher zu bringen. Denn schließlich waren seine Almanache und Anthologien, die dem deutschen Zionisten noch heute eine Fundgrube für seine jüdisch-kulturellen Bedürfnisse sind, nichts anderes als der Versuch einer Synthese von Ost- und Westkultur. Und wenn wir seine letzten Publikationen aufmerksam verfolgen, so sehen wir eine nur aus dem stetig wachsenden Interesse des Westens für den Osten erklärliche Tendenz, die bestehende Kluft zwischen dem naturjüdischen Leben der östlichen Klein- und Vorstadt und dem gewollt-jüdischen Milieu der westlichen Großstadt durch Information und Uebersetzung ostjüdischer Geistesprodukte zu überbrücken. Und für diese Arbeit, selbst wenn sie noch nicht die erwarteten Früchte gezeitigt hätte, dürfte kein Kräfteaufwand zu groß und keine Enttäuschung zu ernüchternd sein! Theoretisch haben wir für die Judenfrage eine endgültige Lösung gefunden. Nur ein ungeheurer, schrankenloser Fanatismus kann uns auf dem Wege praktisch vorwärts bringen, und dieser Fanatismus lehrt uns, das Erreichte zu verachten und nur das als seiend zu erkämpfen, was noch nicht ist. Was aber den Vermittlungsversuchen des „Jüdischen Verlags" bisher fehlte, war das System. Man reihte Buch an Buch, Auswahl an Auswahl und überließ es zumeist dem hilflosen Leser selbst, sich zurechtzufinden. Historisches wurde unvermittelt ganz Modernem an die Seite gestellt, natürlich in der guten Absicht, die continuierliche Gleichartigkeit jüdischen Schaffens und damit die Existenz eines spezifisch jüdischen Stils zu

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