Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 2 (15.5.1913)
- Article
- Jerusalem
- Date
- 1913-05-15
- Page
- Seite 89 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Scholem Asch, Jerusalem, 89 Zeiten des jüdischen Volkes ab, den Zeiten der Richter bis zum ersten jüdischen König, die noch der mythischen Periode angehören. Ferner auch von der goldenen Zeit des jüdischen Volkes, — haben wir ja aus den Zeiten Davids und Salomos keine dokumentarischen Beweise von der Existenz der Könige, da sie wohl zu der vorhistorischen „goldenen Zeit", die sich jede Nation in glänzenden Farben ausmalt und nach Belieben mit legendären Helden seiner Phantasie bevölkert, gehören. Die älteste hebräische Inschrift, die wir besitzen, und die auch die jüdische Geschichte berührt, stammt von Mesa, dem Könige Moabs, und berichtet von einer Niederlage des jüdischen Königs durch den Moabiterkonig. Tatsache ist es, daß das jüdische Volk trotz der Hartnäckigkeit, mit welcher es um sein Dasein kämpft und sich seinen Bedrängern entgegenstellt, noch einige Jahrhunderte nach seiner Vertreibung aus Jerusalem, Rom Schwierigkeiten bereitet und ganz Kleinasien in Bewegung bringt, — doch finden wir in der jüdischen Geschichte fast keinen einzigen siegreichen Krieg, wenn es kein religiöser war, wie der hasmonäische, sondern ein politischer, um politische Unabhängigkeit, wie der letzte Kampf mit den Römern. Man kann fast sagen, daß die Juden nur in ganz kurzen Epochen, in Übergangszeiten, wenn die Weltmacht ihren Besitzer wechselte, für kurze Zeit ihre Unabhängigkeit behaupten konnten. Doch sonst waren sie fast immer unter der Botmäßigkeit der jeweils den Orient beherrschenden Macht, unter dem alten Ägypten, Babylon, dem neuen Ägypten, Griechenland, Rom. Strebten die Juden nicht nach religiöser Freiheit, — der Luft, ohne die sie nicht leben konnten, — sondern nach politischer Freiheit? Vielleicht strebten sie nach der letzten zur Zeit des ersten Tempels und Jesajas ( . . . doch die Assyrier mußte eine Pest von Gott vertreiben, nicht das jüdische Schwert, denn „nicht durchs Schwert und nicht mit Gewalt . . ."), aber zur Zeit des zweiten Tempels, als das Judentum im Kessel des babylonischen Exils geläutert seine eigentliche Weltanschauung angenommen hatte, verhielten sich die Juden ganz gleichgültig gegen ihre politische Rolle, Nur eines verlangten sie, ungestört ihre religiösen Bedürfnisse erfüllen zu können. Esra und Nehemia vertrieben nur die fremden Frauen aus den jüdischen Häusern, — Persien gegenüber waren sie gute Untertanen* Die Mauer um Jerusalem galt den Stammesbrüdern, den Samaritanern, nicht dem persischen Heere . . . Mit Recht schreibt Dr. Kaminka im letzten Heft des „Heathid", daß es eigentlich nur eine Zerstörung gab, die durch Babylon. Denn die Erlösung durch Esra hielten die Juden für keine rechte Erlösung. Was ist das für eine Erlösung, die nicht dem Wunder