Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (April 1913)
- Article
- Das jüdische Volkslied
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 66 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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66 Original, in deutschem Druck und mit einigen kurzen, sachlichen Glossen, hätte den Westen überzeugt, ihm Heisshunger gemacht auf die Lieder. Mir hat sie mehr erzählt vom jüdischen Volkslied, als alles, was ich darüber geschrieben fand. Man findet sie, obwohl ihr keine Uebersetzung gerecht werden kann, in der von Birnbaum übersetzten Auswahl „Perez, Erzählungen und Skizzen", Jüd. Verlag 1905. Pinkus Barber, Die nationale Dreifaltigkeit. Jacob Schiff hat da neulich auf dem Bankett irgend einer amerikanischen Hochschule, deren Gönner er ist, eine Rede gehalten, in der er sich eine dreifache Volksangehörigkeit beilegte : Die amerikanische, die jüdische und die deutsche. Abgesehen davon, dass er dabei das Judentum durch eine halbe Wendung zur Assimilation hin verdünnte, dass ferner das sogenannte amerikanische Volkstum einer allgemeinen Begriffsverwirrung entspringt, von der sich doch gerade er nicht auszuschliessen brauchte, und dass endlich sein Deutschtum ein klein wenig hinken dürfte — so ist das Bekenntnis des Herrn Schiff doch so uneben nicht* Etwas Wahres steckt schon darin. Und gerade dieses Quantum Wahrheit ist das Unglück* Jacob Schiff ist, soweit man das von der Ferne beurteilen kann, ein sehr verdienter Mann, vielleicht der verdienteste unter den deutschamerikanischen Juden. Man sagt ihm, hoffentlich mit Recht, nach, dass er durch seine philantropischen und diplomatischen Bemühungen viel Gutes gestiftet habe. Umso grösser dürfte aber ein Selbstbewusstsein, umso stärker auch seine Ueberzeugung sein, dass er auch auf dem Gebiete des Jüdisch-Geistigen, des Jüdisch-Kulturellen massgebend sei* Das heisst: Er ist sicher, dass alle Juden, denen er zu helfen in die Lage kommt, zu seinem jüdischen Dreifaltigkeits-Typ sich entwickeln müssten. Und diese Sicherheit ist, wie wir uns an allen Zentren jüdischer Massenwohltätigkeit, nicht zum mindesten in Amerika, überzeugen können, nicht ganz unbedenklich ♦ * ♦ . * nb. Wo soll man denn hinkommen? Die „Kunstwarf'-Kampagne ist noch in aller Erinnerung : Auf der einen Seite eine Reihe von zionistischen Ganz-, Haib¬ und Viertelenthusiasten, eifrig bemüht, das lesende Deutschland über die bisher liberal und antisemitisch verzerrte Judenfrage neu zu orientieren, Auf der andern Seite der aufgeschreckte Schwärm der um ihre teuersten „Ideen" zitternden Press-, Börsen- und Richtliniengermanen, Und zwischen beiden Lagern Avenarius, ein Deutscher, der so ungewöhnlich ehrlich ist, dass