Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (April 1913)
- Article
- Judaismus und nationales Judentum
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 20 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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20 beruht, ist wie ein Gebäude ohne Fundament Die Methodologie des Zionismus — so heißt die Aufgabe, die von der nationaljudischen Renaissance eine Lösung forderte. Für die Lösung dieser Aufgabe ist eine Abhandlung von großer Bedeutung, die der bekannte hebräische Schriftsteller Dr. Jacob K1 a t z k i n vor kurzem im „Haschiloach" veröffentlicht hat Die Abhandlung ist betitelt „Bauker schel Tekufoh" (der Morgen einer Epoche), und das vorliegende Heft enthält den ersten Teil: „Judentum des Geistes und Geist des Judentums". Dem Artikel kann ohne Uebertreibung eine grundlegende Bedeutung zugesprochen werden. Er enthält in klarer und prägnanter Formulierung die methodische Begründung unserer nationalen Idee. Ich halte es daher für notwendig, den Inhalt dieser Abhandlung hier zu skizzieren. 1. Das erste Kapitel stellt eine historische Einleitung dar, die die Entstehung des „Judentums des Geistes" erklären will. Als die Emanzipation die Grundlagen der jüdischen Religion erschütterte, geriet der in uns tief wurzelnde nationale Instinkt in Verlegenheit: unsere Religion, die sich mit dem Begriff des Judentums deckte, war ins Schwanken gekommen, und der nationale Instinkt suchte nach Mitteln, um sich gegen den Untergang des Judentums zu wehren* Was geschah? Der nationale Instinkt fand einen Ausweg in der Einsetzung eines Surrogats für die entwurzelte Religion; in der Einsetzung eines „Judentums des Geistes", einer jüdischen Weltanschauung. Dies genügte den zwei Forderungen: es riß die trennende Mauer der Religion, die bisher die nationale Sonderheit des jüdischen Volkes bewahrt hatte, nieder und ließ nur die allgemein-menschlichen Ideen des Judentums, die in unserer Religion enthalten sind, bestehen. Diese Ideen aber sind, weil allgemein menschlich, keine Differenzierungsmomente mehr. Die A s s i m i I a t i o n s t e n d e n z ist also — in ihrem Ursprünge — keineswegs Nachahmungssucht oder knechtliche Demütigung, wie man sie zu verleumden pflegt« Sie ist vielmehr eine aufrichtige Folgerung eines g e i s t i g e n J u d e n t u m s. Wie gesagt, dieser Ideengehalt, der Geist dieser Weltanschauung ist seinem intimsten Wesen nach kein nationales Differenzierungsmoment,