Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (April 1913)
- Article
- Ein Dokument der Assimilation
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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- IRI
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14 an Babs Artikel in etwa beobachten können, wie weit die jetzt beliebte Anschauung von den deutschen Juden als einer Art deutschen Stammes genügt, das Jüdische in uns freizumachen. Was Bab zunächst an positiver Leistung den Juden zugesteht, das ist so bekannt und feststehend, daß wir ihm nicht ins Einzelne nachzugehen brauchen: Es ist die „vermittelnde" Tätigkeit der Juden, ihre Liebersetzungsarbeit, ihre Propaganda für große, schöpferische Künstler. Die eigentlich charakteristischen Abschnitte des Artikels, die hier behandelt werden sollen, enthalten Babs Ansichten über die dichterische Leistung der deutschen Juden und weitergehend über die produktive dichterische Fähigkeit der Juden, Denn Bab bleibt nicht dabei stehen, den Anteil der Juden an der deutschen Gegenwartsdichtung zu betrachten, er zieht aus solchen Betrachtungen Schlüsse auf die dichterische Fähigkeit der Juden überhaupt Diese Methode ist nun sehr bedenklich; nur wo eine Gemeinschaft sich in der ihrem Wesen gemäßen Lage befindet, in einer normalen, natürlichen Situation, läßt sich aus ihren Leistungen mit Sicherheit auf ihre Fähigkeiten schließen. Das ist aber bei den Juden nicht der Fall und bei den Westjuden am allerwenigsten. So muß Bab in den Fehler verfallen, vieles, wofür die Anomalie unserer Lage, die Assimilation, ein genügender Erklärungsgrund ist, dem jüdischen Rassecharakter zuzuschieben. Er sieht Symptome unserer wesentlichen Mängel, wo nur Symptome unserer zeitlichen Unfreiheit sind. Schon bei der Betrachtung der ostjüdischen Literatur wäre vielleicht auch Bab die Erkenntnis aufgestiegen, daß durchaus originale jüdische Talente keine Ausnahmen sind — wenigstens nicht in höherem Grade Ausnahmen, als solche Talente das bei allen Rassen sind. Wir glauben: nicht weil die deutschjüdischen Dichter Juden sind, sondern weil sie schon viel zu viel von ihrem Judentum aufgegeben haben, finden sich unter ihnen so unverhältnismäßig oft reproduktive statt ursprünglich schöpferischer Begabungen. An den Mängeln unserer schöpferischen Leistung von heute und hier sehen wir nicht, wessen wir unfähig sind, sondern wessen wir hier und heute nicht fähig sind; auch sie müssen uns lehren, ein Milieu zu suchen, in dem wir unsere Art und unsere ganz besonderen Fähigkeiten frei entwickein können. Wichtiger für uns als die bis jetzt behandelten Ausführungen Bab's sind die folgenden. Hier gibt Bab nicht bloß Meinungen über historische