Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1914)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1914-07-01
- Page
- 250 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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250 Miniaturen mftiitiiiuittitMHtiitMMiiMtMirriHiiiiiiiiif turrriitniiiiiiiiiiiirrn mit iiiiiiiritiniiitiiiuiriii itiiiiiiiiit iiniiiiHitiHiiiifUiiiitiuaiittiiutiuttuf utttuiuiMiiiiM^ MINIATUREN Sarajewo. — Ick weiß, schon dieUberschrift dieser Betrachtungen wird die Meisten m Erstaunen setzen* Konventionelle Loyalitat kann doclfr nicht Sache emer ernsten Monatsrevue sein. Und Beziehung ist dock keine da * . * Wenn »Die Freistatt« wenigstens m Oesterreick erschiene .. . Aber da sie m Deutschland und für Juden verschiedener Staaten erscheint .... O, über diese Ahnungslosigkeit, die ich uhngens seit jeher und nicht gerade nur in Deutschland beobachtet habe. Oft ist sie mir z. B. bei galiziseh-jüdischen Intelligenzlern, ohne Unterschied der sonstigen Gesinnung, aufgestoßen: Ach, Oesterreich . . . Dabei ein Lachein so von oben herab, mitleidig . . . Und keine Ahnung, dal? sie nur nachreden* was ihnen nichtjudische Suggerenten vor- und eingeredet haben . . . Keine Ahnung, dal? die Juden vermöge ihrer eigenartigen Erfahrungen, Entwicklungen und Bedurfnisse doch eigentlich, wie auf so vieles andere, auch auf diese Begriffs- und Geschichtsstutzigkeit der guten Europaer nicht hereinfallen mußten. Es ist nun einmal so, dal? sich die Europaer die feinsten Ergebnisse der geschichtlichen Entwicklung durch ihren unbezähmbaren Gewalt- Instinkt selber verpfuschen müssen, und dal? sie dann Jahrhunderte voll Blut und Tranen brauchen, um aus dem Pfuhl der Verpfuschung herauszukommen, um dann gewöhnlich m neue solche Pfuhle hineinzufallen«. AA^as haben sie nicht aus dem nationalen Gedanken gemacht, der an sich die gesellschaftliche Anerkennung der Differenzierung^ die Legitimation der Kulturnuance bedeutet, und der m ihren Fausten und Maulern zu einer Losung nationaler Achtung und Unter druckung geworden ist? Wie muhen sie sich nicht* die Idee des Staates, diese geniale Schöpfung, an der sie vielleicht den rühmlichsten Anteil haben, durch hartnackige soziale Unbilligkeiten zu verzerren? Und was haben sie sich nicht m diesem letzten Jahrhundert dadurch geleistet, dal? sie den eben von neuen erfundenen Staat, die eben von neuem entdeckte Nation, diese zwei herrlichen Selbständigkeiten des Menschengeschlechtes, mit der ihnen eigenen gedankt liehen und tatsächlichen Gewaltsamkeit für immer und uberall zusammen— schweren wollen? Sitzen sie irgendwo wirklich als einheitliches Volk auf einheitlichem Boden zusammen, — können sie nicht begreifen, dal? es anderswo anders aussieht und dal? für dort eine andere staatlich*- Originals by courtesy of Dr. Anatol Schenker