Mannheim
Compact Memory

Die Freistatt · 1914-07-01 · Heft 4 (Juli 1914) · p. 201

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 4 (Juli 1914)
Article
Die jüdische Tragödie
Date
1914-07-01
Page
201 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3119801-3119814-3119818-3119841--1693-3119880
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Arnold Zweig, Die jüdiscke Tragödie 201 tiHHihMmiiiiimiimiiiiunmumiNiiim IV Stemtrümmer und Oede m fahlem Licht. Semael sitzend, zwei jutige I eufel, der Kopf dea einen katzenhaft, der des zweiten hundisch*). Semael: Aus meinem Munde ging die Wahrheit zu ihm ins Lieht, und ist doch Lüge. Immer hin ich wahr vor Ihm, und lüge »fcets. Der eine Teufel (zum andern): Er sieht uns nicht Der andere: Ich rede zu ihm. Semael: Die Lüge des Blutes: da sehe ich den Leih alles Lebendigen aufgeschnitten unten, tief. In roten Flüssen rinnts durch alle Adern und umkreist das Leben; rot und wolkig dampfts empor, witternde Dünste heben sich in obere Sfären. Die Seele rieehts voll Grauen — es fällt sie an, tränkt sie mit Gi£t und Trunkenheit, löscht das Verbot und alle Gier leckt sich das Maul. Eä schrie zum Himmel um Habel; den Mund der Erde schauderts und war ihm widerlich zu trinken. Der erste Teufel: (schüchtern) Herr! Semael: Schwach ist der Mensch vor den Düften des Blutes; Haß, der im Untersten kauert und der Trieb der Wut schreien laut auf (Stark:) Ich will die Lüge des Blutes bringen über Dein Volk! Du hast mich eingesetzt: ich will die Schale voll Blut halten über ihren Häuptern wie Morgenröte, wie Abendröte, wie Scharen böser Engel, wie Deinen eigenen Grimm! Es gelingt! Der zweite Teufel (plump): Herr! Semael: Sie sind die Starken nicht mehr. Jahrhunderte geduckt in Angst, über den Häuptern die Faust, in den Herzen Besitz und Geld sich loszukaufen: nein, ihr seid die Ganzen nicht mehr. Der erste Teufel: Herr, schicke mich. Der zweite: Schick mich! Semael (tritt nach dem Näheren, sie fliehen etliche Schritte): Ihn tiiücht euer Beten und daß ihr die Bräuche wohl haltet. Durch iJ«ti Weihrauch der Worte sieht Er nicht mehr euer Herz. Ich mh$> Ich will sein Gebot wie eine Lanze wieder ihn werfen. ireffe Dein Herz, ich stehle Dein Volk, ich ende sein Leid, *') Im Smm altägyptiachcr Bildwerke, Originals by courtesy of Dr. Anatol Schenker

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.