Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Mein Vater
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 328 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Von dem Anblick so vieler Bücher war er ganz überwältigt. Wir besuchten die Friedhöfe der jüdischen Gemeinde, zuerst das Grab Moses Mendelssohns in der Großen Hamburger Straße. Er stand da, lange, tiefbewegt, hatte er doch für die Ilaskala, die von Mendelssohn und seinem Kreis ausgegangen war, viel gekämpft und gelitten. Dann besuchten wir die arideren Friedhöfe. Die hier herrschende Ordnung und sorgfältige Grabpflege machten auf ihn einen großen Eindruck, „Auch das Sterben ist bei Euch schöner“, sagte er darauf zu mir; „ich wünschte, meine letzte Ruhestätte auf einem so schön gepflegten Friedhof zu finden“. Dieser Wunsch ist ihm in Erfüllung gegangen. Am 9. Tammus (17. Juni) 1899 starb er unerwartet in Wien und wurde dort auf dem jüdischen Friedhof bestattet. Ein Zufall fügte es, daß der Rabbiner, der die Trauerrede hielt, und der Kantor, der die Liturgie vortrug, einst seine Schüler gewesen waren. Das gab der Trauerfeier eine persönliche Note. Wenn ich das Leben meines Vaters überblicke, kann ich sagen, daß er stets den Weg der Frommen gewandelt ist. Er hat die Wahrheit geliebt und die Lüge gehaßt; alles Niedrige und Gemeine ist ihm fern geblieben, auch das Strebertum Bei seiner Anwesenheit in Berlin sprachen wir von Gelehrten, deren wissenschaftliche Leistungen er vollauf anerkannte, an denen er aber tadelte, daß sie Stellenjäger waren, und „die Thora zum Spaten machten, 328