Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Aus dem Briefwechsel Steinheim - Zunz
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 9)
- Language
- German
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teils für Laien, teils und besonders für Gelehrte. Ich glaube, daß eben gegenwärtig der wahre Zeitpunkt ist, dies Werk zu einem höchstgewichtigen zu machen. Die Gärung der Gedankenwelt ist groß. Nicht bloß im Christentum stoßen die Ideen mit Feindschaft und Erbitterung aufeinander, auch in unseren Gemeinden flutet dort ein Brodem mittelalterlicher Lehren zwischen modernem Rationalismus, dort eine ganze Flotte von Esprit, fortgetrieben durch ein Gebräu von Akkomodationsversuchen, die Extreme zu verbinden und auszugleichen. Es ist not, daß die Jetztzeit über das wrahre Wesen der Religion aufgeklärt wird, daß so und namentlich aus dieser wohlbegründeten Lehre eine Gestaltung der Religion sich erzeuge, die ebenso sehr jener einzigen uralten Doktrin, als der entwickeltsten Ausbildung der Zeit entspricht. Denn daß sich die meisten am Kleide ärgern, ist bekannt; ebenso arg aber wird ihnen mitgespielt, wenn man ihnen dieses nur modern zustutzt, während doch die Substanz der Religion, der Menschengeist, kein aufgestutztes Gewand tragen soll und mag. Nun bin ich der Überzeugung, daß seit den letzten Jahren in unseren Gemeinden ein Geist sich verbreitet und ein Werk sich vorbereitet, das ein Organ zur Leitung und Berichtigung der Überzeugung mit Nachdruck fordert. Auch sind Kräfte da, die für beide Parteien ein Vertrauen besitzen und denen man im allgemeinen, wenn auch nicht einerseits die volle Religiosität, doch die volle Reli- 256