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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1938-01-01 · 31 (1938) · p. Seite 242

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
31 (1938)
Article
Zum Andenken an Leopold Zunz
Date
1938-01-01
Page
Seite 242 (sequence 20)
Language
German
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denen Häuslichkeit, in deren Mittelpunkt eine sanfte und fein gebildete Lebensgefährtin und Herzensfreundin wie ein guter Engel waltete, konnte Z u n z ungestört, obschon nicht sorgenfrei, unter seinen Büchern ausschließlich für seine Studien leben, zumal die stramme Regelmäßigkeit seiner Lebensweise ihm eine ungetrübte Lebensfrische und Arbeitskraft bewahrte, wie sich deren nur wenige zu erfreuen haben. So pflegte Zunz schon in den fünfziger Jahren täglich, ob schön ob Regen, Bewegung im Freien zu machen, so daß jeder Fremde, der den berühmten Mann sehen wollte, sich nur zwischen 11 und 12 Uhr an der ״Neuen Promenade“ oder in der Nähe der ״Schloßfreiheit“ oder am ״Brandenburger Tor“ zu postieren brauchte, um seine Neugierde befriedigt zu sehen. Es war, wenn ich nicht irre, auf einem jener seiner regelmäßigen Vormittagsspaziergänge, als Zunz einmal zur Entfaltung seines schlagfertigen Witzes in drastischer Weise herausgefordert wurde. Gedankenvoll und leicht gesenkten Hauptes ambulierend, wurde er nämlich von einem ihm entgegenkommenden Passanten mit dem Gruße: ״Guten Morgen, Herr Auerbach!“ für einen Moment zum Stehen gebracht. Der gute Mann verwechselte Zunz mit dessen Altersgenossen Baruch Auerbach, Direktor des jüdischen Waisenhauses in der Oranienburger Straße, welcher in jener' Gegend ebenfalls zu promenieren pflegte. Rasch gefaßt und freundlich lächelnd, erwiderte Zunz: ״Guten Morgen, mein Herr, aber Sie irren von A. bis Z.“ Sprachs und ging weiter. Zunz steht bei vielen im Gerüche der Schroffheit und Unzugänglichkeit, was aber vollkommen ungerechtfertigt ist. Unnahbar ist er nur für Jene, die ihn aus bloßer Neugierde aufsuchen, aber überaus freundlich und liebenswürdig gegen Alle, die sich bei ihm Wissenschaftliehen Rats erholen, und ist seine Bescheidenheit so groß, daß er sich herzlich freuen kann, wenn ihm jemand eine dunkle Partie in Bibel, Talmud oder Midrasch durch einen glücklichen Lichtblick auf hellt. So hat er auch stets die Verdienste anderer bei der Begründung der Wissenschaft des Judentums anerkannt und (wie Professor A. Berliner berichtet) 242

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