Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1938-01-01 · 31 (1938) · p. Seite 237

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
31 (1938)
Article
Zum Andenken an Leopold Zunz
Date
1938-01-01
Page
Seite 237 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3111067-3111128-3119356--8096-3119645
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ו &׳- 1׳ 1 M M ן;! Wiesen, durchschnitten von Bächen, alles wie. .gezeichnet, liebliche Landhäuser, schöne Baumgruppen, das schönste Grün. — Hier wohnen wir gut, haben unser Essen im Hause, die Wirtin ist reinlich und hat ganz das Wesen, wie man sich eine englische Haushälterin aus Büchern vorstellt. Die Schwestern der Wapstaff habe ich kennengelernt, Mrs. Arnett, und eine unverheiratete; die letztere wird mir von Nutzen sein. Sie war schon mit mir in der Stadt herum, und heute nachmittag sind wir dort zum Tee. Eben war Professor Bue hier. Ein angenehmer Franzose, wohltuend auf die steifen Engländer. Oxford ist öde nach London, doch tut mir jetzt noch die Ruhe und Stille gut. Der Sonntag ist wie ein Trauertag hier. — Dienstag, den 29. Von meinem hiesigen Aufenthalt ist nicht viel zu sagen; ein Tag gleicht dem andern. Sonntag nachmittag bei Mrs. W., wo wir Tee tranken und Buö und die Nichten zugegen waren und drei Sprachen durcheinander schwirrten. Um 8 Uhr waren wir zu Hause und plauderten bis 10 Uhr im Dunkeln, wie noch jeden Abend. Gestern morgen gab ich nach Verabredung der Mrs. W. deutsche Stunde und kaufte nachher mit ihr einen Kragen zum Sticken ein. Um 1 Uhr aßen wir, und dann arbeitete ich fleißig bis nach 6 Uhr. Zunz saß neben mir und schrieb. Dann gingen wir noch miteinander zur Stadt und erfreuten uns trotz eines nebligen Regens der wunderschönen Gegend, des üppigen Grüns, der blühenden Bäume. Heute morgen beim Kaffee kam der längst erwartete Brief von Dr. K.22). Er machte mich überaus glücklich. Wie wohltuend ist im fernen Lande das kleinste Zeichen aus der Heimat, und dieser liebe Brief!! Stunde gab ich nicht, ich will es heute nachmittag tun: ich habe dafür geschrieben an K., an die Warschauer, an Minna. —׳־ Bei diesen Aufzeichnungen der Frau Adelheid Zunz fand sich auch das Konzept eines Briefes aus 22) Der Schuldirigent Dr. Moritz Kirschstein (1826 — 1900) in Berlin, dessen sehr herzliche Korrespondenz mit den! Ehepaar Zunz das Gesamtarchiv der Juden in Deutschland besitzt. Auch diese enthält lebhafte Reise- Schilderungen von Adelheid Zunz. 237

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.