Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Weltgeschichte im Spiegel jüdischer Bildnisminiaturen
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 44)
- Language
- German
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schäften Van Dycks englisch selbständig umgeformt und in der englischen Kunstgeschichte eine ähnliche Mittlerstellung eingenommen wie Liebermann, als er den französischen Impressionismus auf die Art seiner deutschen Schule verarbeitete. Das Erlebnis des Puritanertums, dessen biblische Grundlage für ihn als Juden besonders stark gewesen sein muß, spielte eine große Rolle dabei, daß er sich nicht von den Aristokraten imponieren ließ, sondern sie unbefangen darstellte, wie Holbein im Zeitalter Heinrichs VIII. in seinen Modellen nichts Höheres sah als Basler Bürger. Coopers begabte Schüler sind bereits wieder gefälliger und glatter — ihnen fehlte der Erlebnisstrom des Puritanertums. Puritanertum war eine Wirkung des Judentums auf die Welt, im Jahrhundert messianischer Er- Wartung englisch umgeformt — noch Franklin war am Hofe Ludwigs XVI. ein Puritaner reinsten Wassers und noch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung Washingtons trägt den erhabenen Stil puritanischen Geistes. Die biblische Denkungsart des Puritanismus wirkte unterirdisch weiter und bewirkte, daß der englische Deismus nie in einen aufklärerischen Atheismus sich verlor. Mit dem englischen Deismus eines Shaftesbury aber, dem Umsetzer Spinozas aus dem mathematischen in das ästhetische siebzehnte Jahrhundert, strömte der Puritanismus ins Judentum zurück: Mendelssohns erste literarische Arbeit, die Lessing veranlaßt hatte, 206