Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Shylock - die Geschichte einer Figur
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3111067-3111128-3119353--7989-3119545- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Shylock — die Geschichte einer Figur1) Von Hermann Sinsheimer. I. Von Shylock, dem Juden in William Shakespeares ,,Der Kaufmann von Venedig“, darf man feststellen, daß er, von unserer Zeit und ihrer Meinung aus gesehen, die bedeutendste Judenfigur der Weltdichtung seit den biblischen Tagen ist. Neben ihn tritt in dem gewaltigen Zeitrahmen von anderthalb Jahrtausenden, nämlich seit dem Abschluß zugleich des Talmuds und der Antike, nur noch eine jüdische Figur, die ihm an Größe und Weltgeltung etwa gleichkommt: der später Ahasver genannte Ewige oder Wandernde Jude. Dieser ist das Produkt der mittelalterlichen Legende, der Weiterdichtung neutestamentlicher Überlieferungen. Das europäisch-mittelalterliche Wanderschicksal des jüdischem Volkes hat ihn, zusammen mit der mittelalterlich-kirchlichen Auffassung von der Schuld der Juden am Tod des christlichen Heilands, aus sich heraus geschaffen. Es ist bisher wenig beachtet *) Von dem Verfasser des folgenden Aufsatzes erscheint demnächst ein Buch über das hier behandelte Thema unter dem Titel: „Shylock — Die Geschichte einer Figur oder Der Mythos vom Juden!4. (Jüd. Buchverlag Joachim Goldstein.) 137