Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Die Psalmen
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 8)
- Language
- German
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düngen, unter denen der Unschuldige zu leiden hati das Bewußtsein menschlicher Schwäche und Vergänglichkeit, die Erfahrung, wie häufig den Bösen das Glück begünstigt, während der Gute zu leiden hat — alles dies trägt ein frommes Gemüt seinem Gotte vor, erkennt ihn als die einzige Quelle seines Häiles und seiner Rettung und findet in dieser Hingebung an Gott Linderung seiner Schmerzen und Trost, in seinem Unglück.“ (Cassel, Geschichte der jüdischen . Literatur I S. 193.) Gerade diese Lieder des Einzelnen sind mehr als die kultischen geeignet, ein Bild von der Frömmigkeit der Zeit ihrer Entstehung zu geben. Sie gehören aber, wie noch gezeigt wird, mindestens zum großen Teile, der nachexilischen Zeit an und sind so der beste . Beweis dafür, daß jene Frömmigkeit, durchaus nicht, wie oft behauptet wurde, den Charakter bloß gesetzlichen und knechtischen Gehorsams hat, der sich’s an äußerlicher Gottesverehrung genügen ließ, als ob durch den vom Priester geübten Tempel- und Opferdienst, wie er in der nachexilischen Zeit und namentlich seit Esra eine besondere Ausgestaltung und Betonung erfahren hatte, die Frömmigkeit des Herzens, die Anbetung Gottes im Geiste ein Ende gefunden hätte. Gerade diese Psalmen sind es in erster Linie, durch die der Psalter für alle Zeiten das Muster des Gebets nicht nur für die Synagoge und die Kirche, sondern auch für den Beter in seinem Kämmerlein geworden ist. Eine eingehende Darstellung der persönlichen Frömmigkeit der .Psalmendichter ist hier, wo es sich 28