Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Das jüdische Phänomen
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 16)
- Language
- German
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und, wie Hiob, mit Gott hadert und in letzte Gottferne verschlagen fühlt? Freilich, auch jüdisches Rebellentum mündet ja wieder in Gott-Ergebung — die Hiob-Dichtung in inbrünstigen Agnostizismus» Spinozas Pantheismus in intellektuelle Gottesliebe, in hingebungsvolle Ein- und Unter-Ordnung unter das Weltgesetz. „Bewahrer und Empörer“ in einem nannte ich die Juden früher schon. Immer ist dieses Volk durch das orientalisch Extreme unendlich bereichert, aber auch im Negativen bedroht und gefährdet. Möge es ohne Opferung seiner persönlichen wie allgemeinen Besonderheit zum Ausgleich streben und zumal zwischen Überheblichkeit und Kleinmut, Selbstliebe und Selbsthaß, Konservatismus und Revolutionarismus die echte Mitte des lebensvollen und schöpferischen Selbst-Bewußtseins finden. Dann wird man sich solcher Gesamtschau doppelt freuen und mit berechtigtem Stolz das Jüdische, das Semitische, das Orientalische in sich bejahen dürfen ■=— vielleicht im Zeichen neuer Umlagerungen und Schwerpunkt-Verschiebungen. Dann wird sich auch jüdisches Wesen wenigstens annäherungsweise gleichsam in der Reinheit der platonischen Idee darstellen, wie ich es dichterisch gestaltend zu fassen versucht habe: „So nah geheimnisvollem Schöpfungsschoß, Auftrotzend aus unzähl’gem Niederbruch, Ewig kraftschöpfend aus dem ew’gen Buch, In das sich Deine Gottesbrunst ergoß.“ 20