Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Das jüdische Phänomen
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 2)
- Language
- German
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und Windungen nicht lösen; versuchen wir uns auf die Einheit und Ganzheit des großartigen Phänomens einzustellen, hinter dem wir kaum erst die „I d e e“ zu suchen brauchen, weil sie sich deutlich genug in ihm aus wir kt und ausspricht. Klar, bis zur Grellheit überklar liegt dieses Phänomen heut selbst vor matteren und halb wachen Sinnen zutage. Persönliche und allgemeine Selbstbesinnung ist heut keine willkürliche Privatangelegenheit mehr, sondern ein Zwang, dem sich keiner entziehen kann. Und ein in mancher Hinsicht wohltätiger Zwang, weil er selbst den gedankenlosesten Menschen im kleinsten Ausmaß zum Denker, zum Philosophen macht. Dem Denker vollends ist es Trost und Freude, das Dumpf-Gefühlte, Trüb-Geschaute für sich und andere ins Klare des Bewußtseins zu heben. — Zunächst das Eine: Das Jüdische in uns war uns früher eine—zweifellos wichtige und würdige— „Nuance“ innerhalb des allgemeinen und besonderen europäischen Kulturrahmens — eine Nuance, die gerade von den Echten und Aufrechten, den im guten Sinne Selbst-Bewußten unter uns niemals verleugnet und vollends nicht aus ordinären Geltungs- und Karriere-Rücksichten streberhaft preisgegeben wurde. Das ist gerade das trotz alledem Gute an dieser Zeit — daß sie jenseits aller parteilichen und dogmatischen Gebundenheit das Zugehörigkeits gefühl weckt und stärkt — und daß sie uns wieder in den lebendigen, kontinuierlichen Strom der Geschichte (der 6