Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Mont Soleil
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 303 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Gemarkung wuchs, da war der schwierige „Kuhweg“ und die dankbare „Eisei“, der „Kommerich“ und der „Katerich“, die „Hockemühl“ und das „Ockenheimer Schwätzerchen“, das im ganzen Städtchen Zungen und Herzen löste und überall mit Verstand getrunken wurde. Nur den Wein vom „Hipperich“ gab es ausschließlich beim Doktor selbst und das auch nur für ganz besonders liebe Gäste. Der Hipperich war eigentlich ein Nahewein und wuchs auf einem Hügel hinter Münster, welchen die Wingertsleute den „Ebertsheimskopf“ nannten. Warum? — Das ist eine längst verschollene Geschichte, anspruchslos und nachdenklich wie der alte Ebertsheim, der mein Großvater war. Als ich zehn Jahre war, hat er mir ein wenig davon erzählt, und von dem Wenigen habe ich damals nur wenig verstanden. Erst viel später ist mir aus Gerüchten, Urkunden und eigenem Erleben klar geworden, daß dieser „Ebertsheimskopf“ ein Herzstück seines eigenen Lebens war* Zur Zeit, als Isaacs rund gewölbter Ebertsheimskopf noch mit langen Biedermeierlocken bedeckt war, es war im Jahre sechsundvierzig in einer eisigen Februarnacht, fuhr er — von der alten Pfarrkirche hatte es eben zwei geschlagen — aus leichtem Schlummer vom Kissen auf. Er hatte Schritte gehört. Er hörte sie noch: hastig kamen sie über den hartgefrorenen Boden der Judengasse. Als heftig an das Tor des elterlichen Hofes gepocht 5wurde, war er bereits in den Stiefeln. 303